Tscherepowez

Föderationskreis: Nordwestrussland
Gründung: 1630
Stadt: seit 1777
Fläche: 121 km²
Einwohnerzahl:  318.000
Lage: rund 500 km nördlich von Moskau und 500 km östlich von St. Petersburg

Geschichte

Besiedelung des Gebietes nachweislich vor 6000 Jahren (archäologische Funde).  Seit ca. 1630 Entstehung der Stadt, 1777  Stadtrecht durch Katharina die Große.

Bevölkerung

Etwa eintausend Einwohner haben deutsche Wurzeln oder sind ethnische Deutsche.

Internationale Partnerschaften

  • Bestehende (z.T. nur formale) Städtepartnerschaften:  Aiud (Rumänien); Gorna Orjachowiza (Bulgarien), Celje (Slowenien),  Derry (New Hampshire, USA), Liaoyuan (China), Maladsetschna (Weißrussland), Montclair (USA), Raahe (Finnland), Balakowo (Russland), Klaipėda (Litauen)

Transportverbindung

  • Gute Flußanbindung (Nebenarm der Wolga, dadurch Zugang zum WolgaBaltischen Seeweg mit Zugang zu 5 Meeren: zum Weißen Meer, der Ostsee, zum Kaspischen, Schwarzen und Asowschen Meer. Binnenhafen am WolgaOstsee-Kanal.
  • Föderale Fernstraße A114 nach Wologda und Nowaja Ladoga bei St. Petersburg.
  • Internationaler Flughafen. Flugverbindung mit St. Petersburg (Fluglinie Sewerstal) mit Direktanschluss an viele Reisedestinationen, auch in Deutschland (Berlin, München, Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf, Dresden).

Wirtschaft

Tscherepovez ist die wichtigste Industriestadt der Region. Hier sind unter anderem Eisenhütten, Stahlwerke (beispielsweise Sewerstal, der zweitgrößte Stahlerzeuger Russlands und Nr. 15 der Welt), große Werften und Chemiebetriebe ansässig. Die für die Verarbeitung benötigte Kohle wird aus Workuta geliefert, das Eisenerz von der Halbinsel Kola. Außerdem Sägewerke, in denen das Holz aus den umliegenden Nadelwäldern verarbeitet wird. Für die Entwicklung der Industrie in Tscherepowez war vor allem die verkehrstechnisch günstige Lage entscheidend.

  • Tscherepowez ist eine quasi Monostadt. Der wichtigste Arbeitsgeber und Steuerzahler ist „Sewerstal“ (dessen Steuern finanzieren 50% des Gebiets(!)Haushaltes). Zahlt gute Löhne, hat eigene Hypothekenprogramme, gibt Mitarbeitern hohen sozialen Schutz. Umstrittene, strenge Personalpolitik mit hohen Anforderungen an Arbeitnehmer. Dennoch geringe Fluktuationsrate (sehr gut bezahlte hochqualifizierte Fachkräfte). Betriebsrente.
  • Florierende  Industriestadt, Universitätsstadt.  2015 nahm Tscherepowez den 12 Platz unter den sich am dynamischsten  entwickelnden Städten Russlands ein. In 2016 auf Platz 76 unter den 100 einwohnerfreundlichsten Städten und im Top 5 der russischen Städte mit der am positivsten gestimmten Bevölkerung. Nach offiziellen Angaben beträgt die Arbeitslosigkeitsrate 0,9%.
  • Lebensniveau viel höher als im Durchschnitt Russlands, deutlicher Abstand zu anderen „Provinz“städten.   Bevölkerungsmagnet. Rege Bautätigkeit.  Durchgeführt wird das kommunale Programm „Aufbau des komfortablen städtischen Milieus“ (2018 – 2022). Im Rahmen des Programms läuft das Projekt der Gestaltung des SchechsnaUfers (Promenade, Aussichtsterrassen usw.)
  • Jährliches internationales Wirtschaftsforum mit Schwerpunkt  Entwicklung des industriellen Sektors und der internationalen Zusammenarbeit. In 2018 findet das Forum am 12.13. Dezember mit dem Schwerpunkt Deutschland statt. Beweggründe: Interesse an Zusammenarbeit von Seiten russischer und deutscher  Unternehmen,  Ziel: gemeinsame Entwicklung von Produkten oder Technologien, Suche nach Vertriebspartnern, sauberer Export. Schwerpunkt des diesjährigen Forums: green economy
  • Seit 2015 jährlicher Wettbewerb „Zeit für gute Dinge“ mit bisher 70 von Unternehmen geförderten sozialen Projekten  (gesunde Lebensweise, Körperkultur und Sport, Gesundheit, Sozialdienste, Kunst und Kultur. Darüber hinaus Wettbewerb: bestes Startup im sozialen Bereich.

Bildung, Kultur und Freizeit

  • Staatliche UniversitätTscherepowez mit 5.500 Studierenden, davon  32 Studierende im Hauptfach Germanistik /Deutsch als Fremdsprache und 65 als Nebenfach (Stand: Anfang 2014). Die Dozenten nehmen regelmäßig an Fortbildungsprogrammen des DAAD und Goethe Instituts (GI) teil. Studenten nutzen Stipendienprogramme des DAAD.
  • Jährlich im  März veranstaltet die Universität eine Woche des deutschen Films. Zielgruppe:  v.a. Deutschlehrer, ist aber auch Bürgern der Stadt zugänglich. Die Filme werden vom GI zur Verfügung gestellt.
  • Starkes Interesse der Einwohner für Kultur und Kunst. Dramatheater und einige Kulturpaläste mit hochkarätigen Konzerten.  Verschiedene Festspiele: für Prosa und Dichtung, für Kurzfilme, Liedermacherfestival, für Sporttanz. Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört das Haus von Wereschtschagin (Geburtsort des  berühmten russischen Schlachtenmalers).
  • Architektonisches Highlight der Stadt und gleichzeitig Wahrzeichen ist die einzigartige Schrägseilbrücke über den Fluss Schechsna. Als erste Schrägseilbrücke Russlands wurde sie 1979 nach dem Muster der Severinsbrücke in Köln gebaut. Zu einem weiteren Symbol der Stadt wurde das im Juni 2015 eröffnete Museum der Eisen und Stahlindustrie, das  mit modernsten Technologien ausgestattetet ist.  
  • Die Stadteinwohner treiben aktiv Sport. Hier gibt es zwei Eisstadien. Tscherepowez hat eigene Eishockeymannschaft „Sewerstal“ (Platz 8 von 13 in der KHLWest). Beliebte Sportarten darüber hinaus sind Schlittschuh- und Skilauf.
  • Erinnerungskultur: Kriegsgefangenenlager 437 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs. Einsatz von deutschen Kriegsgefangenen beim Aufbau der Stadt. Mehrere Kriegsgefangenenfriedhöfe.
  • Schulen mit erweitertem Deutschunterricht: Im klassischen Mädchengymnasium lernen 55 % der ca. 500 Schülerinnen Deutsch als 1., die übrigen Deutsch als 2. Fremdsprache (Stand: 2014). Das Sprachniveau der Schülerinnen laut ZfA hoch. 2017 erste DSD I Prüfung. Potential für DSD II.

Imagebroschüre der Stadt Tscherepovez:
www.russlandpartner.de/fileadmin/user_upload/Cherepovets_Imagebroschuere_ENG.pdf