Drei Fragen an Reinhard Mirbach

Bürgermeister der Gemeinde Michendorf a.D.

Reinhard Mirbach war von 1996 bis 2011 im Bundeskanzleramt zuerst in Bonn und dann in Berlin als Beamter tätig, bis er im September 2011 zum hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Michendorf gewählt wurde und sein Amt bis 2019 ausübte. Die Gemeinde Michendorf mit ca.12.500 Einwohnern grenzt unmittelbar an Potsdam und zählt zum Speckgürtel Berlins. Seit 2013 pflegt Michendorf eine aktive Partnerschaft mit der russischen Gemeinde Nowoje Deviatkino bei St. Petersburg.


1.   Sehr geehrter Herr Bürgermeister, 2013 wurde der Partnerschaftsvertrag zwischen Michendorf und der russischen Gemeinde Nowoje Deviatkino bei St. Petersburg unterzeichnet. Damit ist es eine relativ junge, aber, wie wir wissen, sehr aktive und lebendige Partnerschaft. Trotz der sehr angespannten deutsch-russischen Verhältnisse der letzten Jahre entwickelt sie sich dynamisch weiter. Was ist die Grundlage dieser Partnerschaft? Was ist ihre tragende Kraft?

Reinhard Mirbach:  Grundlage für die Partnerschaft zwischen den beiden Gemeinden, die sich sehr zufällig ergeben hat, ist der kontinuierliche und persönliche Kontakt. Es ist unheimlich wichtig, die Partnergemeinde mit ihren Menschen persönlich zu erleben und ein vertrauensvolles Miteinander aufzubauen. Wenn man mit dem Partner erst einmal erste Freundschaften aufgebaut hat, kann man sich ohne Vorurteile offen austauschen. Tragende Kraft sind hierbei alle, die diesen Austausch auf kommunaler  Ebene unterstützen.


2.   Im Juni 2018 startet das Projekt „Deutsch-Russische Fußballbrücken“, bei dem die Jugendbegegnungen im Rahmen der Straßenfußballturniere in verschiedenen WM-Spielorten in Russland im Mittelpunkt stehen. An der Reise nehmen auch Teilnehmer aus Michendorf und Nowoje Deviatkino teil. Was erwarten Sie von dieser sportlicher Begegnung auf der kommunalen Ebene?

Reinhard Mirbach:  Der Austausch von der Jugendebene ist von großer Bedeutung. Insbesondere beim Umgang im Sport gelingt es leicht, Kontakte zu knüpfen und sich in ungezwungener Atmosphäre zu begegnen. Die manchmal vorhandene "Reserviertheit" bei anderen Anlässen ist beim Streetsoccer sofort abgelegt, man ist sofort "per Du" und mit Engagement und Emotionen dabei. Diese Erfahrung konnten Michendorfer Jugendliche bereits beim im Rahmenprogramm in Krasnodar sammeln, wo wir begeistert mitgespielt haben.


3.   Die Reisegruppe wird am 22. Juni gemeinsam einen Kranz anlässlich des Jahrestages des Überfalls Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion niederlegen. Ist Ihrer Meinung nach, der Zweite Weltkrieg für die Jugendlichen in Deutschland noch überhaupt ein Thema? Wie wichtig ist die Pflege der Erinnerungskultur bei der jüngeren Generation?

Reinhard Mirbach:   Gemeinsam mit dem Bürgermeister Dimitri Majorov haben wir unsere Besuche auch immer genutzt, um zur Erinnerung und Mahnung an die Gräueltaten Hitlerdeutschlands Kränze niederzulegen. Mit dabei waren auch immer wieder Jugendliche aus beiden Gemeinden. Die Gespräche mit den jungen Leuten haben dabei bekräftigt, dass diese Kultur des Erinnerns unbedingt als ein sehr wichtiges Thema beibehalten und auch Mahnung für die Zukunft sein muss. Bei meinen Besuchen in Nowoje Deviatkino hat mich ein von Bürgermeister Majorov organisiertes Treffen mit russischen Veteranen am nachhaltigsten und emotionalsten beeindruckt sowie darin bestärkt, die Erinnerung an die Vergangenheit als wichtigen Teil der Partnerschaft zu pflegen.


Sehr geehrter Herr Mirbach, wir bedanken uns herzlich für das interessante Gespräch.