Drei Fragen an Swetlana Krätzschmar

Flensburger Stadtpräsidentin

Swetlana Krätzschmar (CDU) ist eine besondere Erscheinung in der deutschen Politik: als Mathematikerin und vor allem als ehemalige Sowjetbürgerin, die es an die Spitze einer deutschen Stadt mit fast 100.000 Einwohnern geschafft hat. Sie ist in der damaligen Sowjetunion aufgewachsen und 1977 durch Heirat nach Deutschland gekommen. 2013 wurde sie in Flensburg zur Stadtpräsidentin und damit zur höchsten Repräsentantin der Flensburger Bürger gewählt.

Einer der vielen Bereichen, für die sich Swetlana Krätzschmar einsetzt, ist der Ausbau der Kontakte zur russischen Stadt Pensa. Swetlana Krätzschmar ist Ehrenvorsitzende des Vereins der Städtefreundschaft Flensburg – Pensa. Unter ihrer Schirmherrschaft fanden vier Pensa-Flensburg-Kongresse statt.

Am letzten Kongress in Pensa im September 2017 nahm auch die Deutsche Botschaft in Moskau, vertretend durch Ellen von Zitzewitz, teil. Dadurch erfuhr die vielseitige Kooperation beider Städte eine besondere Wertschätzung auch seitens der Bundesrepublik Deutschland.


1. Sehr geehrte Frau Krätzschmar, worin sehen Sie die besondere Bedeutung der deutsch-russischen kommunalen Kooperation heute?

Swetlana Krätzschmar:  Neben dem Meinungs- und Erfahrungsaustausch zwischen den gewählten Repräsentanten und der Administration der deutschen und der russischen Partnerstadt sehe ich die Bedeutung kommunaler Kooperationen darin, dass die Bürger beider Städte die Möglichkeit bekommen, die jeweils andere Stadt mit ihrer jeweiligen Geschichte und Kultur kennenzulernen und auch mit den dort lebenden Menschen ins Gespräch zu kommen. Oft entwickeln sich aus ersten Kontakten jahrelange Freundschaften zwischen einzelnen Bürgern und Familien. Persönliche Beziehungen zwischen Menschen unterschiedlicher Staaten sind eine gute Basis für das friedvolle Zusammenleben der betreffenden Staaten. Frieden in Europa ist nur mit – niemals gegen – Russland möglich. 
 

2. Wie entwickelt sich die Kooperation zwischen der Hochschule Flensburg und der Staatlichen Universität Pensa?

Swetlana Krätzschmar:   Seit nunmehr fast 10 Jahren besteht eine enge Kooperation zwischen der Staatlichen Universität Pensa und der Europa-Universität Flensburg im Bereich der Lehrerausbildung und Studentenaustausch. Mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung zwischen der Staatlichen Universität Pensa und der Hochschule Flensburg/ University of Applied Sciences  Anfang 2017 wird die Zusammenarbeit im Hochschulbereich jetzt auf die Bereiche der MINT-Studiengänge ausgedehnt. Im Rahmen von ERASMUS+ ist ein Studierenden- und Dozentenaustausch vorgesehen. Von beiderseitigem Interesse ist auch, dass Studierende beider Hochschulen bei in der jeweils anderen Stadt ihre Bachelor- oder Masterarbeiten schreiben. Themen  der Kooperation sind  akademische Mobilität, gemeinsame Forschungsprojekte,Öko-Projekte der Studierenden im Rahmen des Wettbewerbes "Green Campus/ Green City", eHealth-Lösungen und innovativen Technologien in Pflegeheimen, um die Lebensqualität demenzbetroffener Menschen, Themen im Biotechnologiebereich.


3. Welche weiteren Projekte sind zwischen Flensburg und Pensa geplant?

Swetlana Krätzschmar:    Wichtig ist erst einmal, die bestehenden Projekte und Verträge mit Leben zu erfüllen und sukzessive auszubauen. Hervorzuheben ist hier die sich im Laufe der letzten Jahre ständig vertiefende Kooperation Flensburger Krankenhäuser mit der Medizinischen Fakultät der Staatlichen Universität Pensa. Die guten Erfahrungen, die beide Seiten miteinander gemacht haben, sind Ausgangspunkt von Überlegungen, in Pensa eine deutsch-russischen Klinik zu bauen und zu betreiben.

Die Flensburger Hochschule und der Klimapakt e.V. in Flensburg könnten die Stadt Pensa bei ihrem Bemühen unterstützen, Pilotprojekt für eine umweltfreundliche Stadt zu werden, das vom Außenministerium der Bundesrepublik Deutschland finanziell unterstützt werden würde.

Auf kommunaler Ebene wäre es wünschenswert, wenn die „inoffizielle“ Städtefreundschaft zwischen Pensa und Flensburg möglichst bald auf das Niveau einer offiziellen Städtepartnerschaft gehoben werden könnte. Derzeit werden die mit der Zusammenarbeit zwischen Pensa und Flensburg entstehenden nicht unerheblichen finanziellen Kosten für Reise, Unterkunft etc. von den beteiligten Partnern und Personen getragen. Für offizielle Städtepartnerschaften gibt es nationale und EU-weite Programme, die Zuschüsse für die Zusammenarbeit gewähren.


Sehr geehrte Frau Krätzschmar, wir bedanken uns herzlich für das interessante Gespräch.