Drei Fragen an Wolfgang Spelthahn

Landrat des Kreises Düren

Wolfgang Spelthahn (CDU) ist seit 1999 Landrat des Kreises Düren. Als 36-Jähriger war er seinerzeit der jüngste Landrat Deutschlands. Vor seiner ersten Wahl zum Landrat war der Jurist unter anderem als Referent der Europäischen Kommission für Wirtschafts- und Währungsfragen tätig. Auf Landrat Wolfgang Spelthahns Initiative hin schloss der Kreis Düren 2005 seine erste Partnerschaft mit dem US-amerikanischen Kreis Dorchester County in Maryland. 2011 unterzeichneten Viktor Azarov, der Leiter des Kommunalkreises Mytischi, und Landrat Wolfgang Spelthahn die Partnerschaftsurkunde ihrer Kreise im Berliner Schloss Bellevue.

Als Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Partnerschaften des Kreises Düren e.V. machte Landrat Wolfgang Spelthahn sich für die Bewerbung des Kreises Düren um die Ausrichtung der Deutsch-Russischen Städtepartnerschaftskonferenz 2019 an der Rur stark. Als der Kreis Düren im Beisein der Außenminister Sergej Lawrow und Sigmar Gabriel den Zuschlag erhielt, sandte der aus Mytischi stammende Kosmonaut Fjodor Jurtschichin einen Glückwunsch von der Internationalen Raumstation ISS zur Erde.   
 

1.    Sehr geehrter Herr Spelthahn, die Kreispartnerschaft Düren - Mytischi ist eine relativ junge Partnerschaft. Sie wurde 2011 bei einem festlichen Empfang des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue von Ihnen und Ihrem russischen Kollegen Viktor Azarow besiegelt. Welche Gründe waren für die Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages ausschlaggebend? 

Wolfgang Spelthahn: Mit unserem US-amerikanischen Partnerkreis Dorchester County in Maryland haben wir seit 2005 sehr viele gute Erfahrungen gemacht. Da lag es nahe, auch eine Brücke in die entgegengesetzte Richtung zu schlagen. Bei unserer Suche nach einem Partnerkreis in Russland haben wir von der Sprachkompetenz und den persönlichen Kontakten des Dürener Gymnasiums am Wirteltor profitiert. An dieser Schule wird seit jeher Russisch als Fremdsprache gelehrt. Auch hatte es eine Zeit lang Schüleraustausche mit russischen Schulen gegeben.

So sind wir auf den Kommunalkreis Mytischi in der Oblast Moskaus gestoßen. Er passte von der Papierform her sowohl von seiner Größe als auch seiner ländlichen und wirtschaftlichen Struktur zum Kreis Düren. Bei unseren ersten Kontakten und Besuchen auf offizieller Ebene hat sich schnell gezeigt, dass wir uns verstehen und voneinander lernen und profitieren können. Um unsere Kontakte zu vertiefen und viele neue zu ermöglichen, sind wir dann die offizielle Partnerschaft eingegangen. Dass wir im April 2011 unsere Partnerschaftsurkunde im Berliner Schloss Bellevue im Beisein des Bundespräsidenten Christian Wulff und des Ersten Stellvertretenden russischen Ministerpräsidenten Wiktor Subkow unterzeichnen durften, hat uns sehr gefreut.

Seitdem hat sich unsere Partnerschaft sehr gut entwickelt. Es gab zahlreiche Kontakte in den verschiedensten Bereichen – zum Beispiel in Kunst und Kultur, Sport, Wirtschaft und Verwaltung. Begonnen haben wir jedoch mit der Wiederbelebung des Schüleraustauschs.  
 

2.     Nach Uljanowsk, Karlsruhe und Krasnodar ist der Landkreis Düren der nächste Austragungsort der Deutsch-Russischen Städtepartnerkonferenz im Jahre 2019. Welche Erwartungen haben Sie als Gastgeber an die Konferenz?

Wolfgang Spelthahn: Partnerschaften leben von den Begegnungen von Menschen. Je mehr Begegnungen es gibt, desto besser lernt man sich kennen, verstehen und schätzen. Die Deutsch-Russische Städtepartnerkonferenz ist ein etabliertes Format, das sehr viele Partnerkommunen aus beiden Ländern zusammenführt. Als Gastgeber hoffen wir natürlich auf eine hohe Beteiligung und einen fruchtbaren, gewinnbringenden Erfahrungsaustausch für alle Teilnehmer. Um möglichst große Breitenwirkung zu erzielen, beschränken wir uns als Gastgeber nicht auf den Kreis Düren, sondern beziehen die gesamte Region ein: Köln, Aachen und das niederländische Maastricht.

Vielleicht kann unsere Konferenz ja auch ein kleines Stück zur Verbesserung des Verhältnisses von Ost und West beitragen. Je problematischer es ist, auf der politischen Ebene voranzukommen, desto wichtiger sind kommunale Beziehungen. Als der Kreis Düren 2012 sein 40-jähriges Bestehen gefeiert hat, waren Delegationen aus beiden Partnerkreisen zu Gast und haben sich kennen gelernt. Auch  haben bei unserem großen Oktoberfest in der Arena Kreis Düren schon Freunde aus Mytischi und Dorchester County gemeinsam fröhlich mit uns gefeiert. Was die große Politik nicht schafft, das gelingt im Kleinen,  auch hier findet Völkerverständigung statt.
 

3.      Ihre Partnerschaft mit Mytischi ist eine der wenigen Kreispartnerschaften unter den zahlreichen kommunalen Kooperationen. Wo liegen aus Ihrer Sicht die Besonderheiten einer Kreispartnersch?

Wolfgang Spelthahn: Der Kreis Düren ist ein ländlich geprägter Kreis,  in dem über 262.000 Menschen in 15 Städten und Gemeinden leben. Unsere kommunale Familie steht für Vielfalt, denn jede Kommune hat ihre Eigenarten und Vorzüge. Wir sind als Standort des Nationalparks Eifel ein touristisch geprägter Kreis. Als Standort von zwei aktiven Braunkohletagebauen bietet sich uns die Jahrhundertchance, unsere Region völlig neu zu gestalten. Die Planungen für den Bereich Indesee laufen seit Jahren. Zudem sind wir Standort von renommierten Forschungseinrichtungen und zahlreichen mittelständischen Firmen, die weltweit erfolgreich und teils sogar Marktführer sind.  Auch wenn meist von Städtepartnerschaften die Rede ist, sollte der Austausch über Landesgrenzen hinweg kein Privileg von Städten sein. Wir jedenfalls treten selbstbewusst als Kreis Düren auf und freuen uns auf den Austausch mit Menschen aus anderen Nationen und Kulturen!


Sehr geehrter Herr Spelthahn, wir bedanken uns herzlich für das interessante Gespräch.