Deutsche und russische Initiativen diskutieren zum Thema: Lebensmittel retten in Hamburg und St. Petersburg

Die Deutsch-Russische Gesellschaft in Hamburg e.V. und der Deutsch-Russische Austausch in St. Petersburg haben am 14. September online zum Thema „Lebensmittel retten in Hamburg und St. Petersburg“ diskutiert. Die Veranstaltung fand mit Unterstützung der Staatskanzlei Hamburg und in Kooperation mit der TRAVA Civic Education Plattform statt, die seit drei Jahren regelmäßig alle zwei Monate eine informelle Konferenz zum namens WasteConf in St. Petersburg organisiert. Dort werden Gerichte mit geretteten Lebensmitteln zusammen gekocht und gegessen und verschiedene Food Saving und Food Sharing Initiativen vorgestellt.

Schwerpunkte der Veranstaltung waren unter anderem: Wie kann die Lebensmittelverschwendung vermieden werden? Werden in Russland weniger Lebensmittel weggeworfen als in Deutschland? Welche zivilgesellschaftlichen Initiativen gibt es in den Partnerstädten Hamburg und St. Petersburg zu diesem Thema – und welche Lösungsansätze? 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland und Russland haben gegenseitig Erfahrungen, neue Ideen und Anregungen ausgetauscht. Während der Diskussionen haben eine Schülergruppe des Gymnasiums Allermöhe aus Hamburg und ein Trava-Aktivist aus St. Petersburg Essen aus Lebensmittelresten gekocht und zwischendurch immer mal wieder ein kleines Update an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gegeben.

Worüber wurde gesprochen?

Bei der ersten Diskussion haben Marie Pugatschev (Gründerin von Slow Food Youth Hamburg e.V.) und Galina Gracheva (Leiterin von Slow Food Ulitka St. Petersburg, Gründerin der Medien Natur-Product) über ihre Arbeit gesprochen. Slow Food ist eine globale soziale Organisation, die sich für Artenvielfalt und eine Welt einsetzt, in der alle Menschen Zugang zu qualitativ hochwertigen Lebensmitteln haben, die den Erzeugern nützen und dem Planeten nicht schaden.
Während der zweiten Diskussion haben sich Anna Mesek und Sasha Legkaya vorgestellt. Anna Me-sek hat Hamburg Hilft e.V. gegründet und engagiert sich in der Bewegung für das Teilen von Lebensmitteln. Sie setzt sich für mehr horizontale unabhängige Strukturen ein, in denen jeder in seinem Stadtteil Produkte retten und an Bedürftige verteilen kann. Sasha Legkaya ist Gründerin der Foodsharing-Bewegung in St. Petersburg. Foodsharing ist eine Bewegung, die noch genießbare Lebensmittel vor der Entsorgung bewahren will. Während früher nur Menschen, Bäckereien und kleine Öko-Läden daran teilnahmen, haben nun Netzwerker begonnen größere Mengen an Lebensmittel zu retten. Wir haben gelernt wie das in St. Petersburg geschieht und was Supermärkte daran hindert, Lebensmittel legal abzugeben.
In der dritten Diskussion hat Stephanie Engelbrecht die Minitopia-Bewegung aus Hamburg-Wilhelmsburg vorgestellt, welche Ernährungserziehungsprojekte für Kinder und Jugendliche organisiert sowie die solidarische Landwirtschaft der Solawi. Letzteres ist ein Gemeinschaftsprojekt, bei dem etwa 5 ha Land bewirtschaftet werden und anschließend die gesamte Ernte - auch die krumme Möhre - verarbeitet wird. Aus St. Petersburg hat Anna Balakhontseva teilgenommen, welche die Initiative und das Aktivisten-Catering Food Saves the World vorgestellt hat. Anna entwickelt Geschäfts-modelle zur Einsparung von Lebensmitteln und betreut einen Online-Kurs, der Verbraucher zu diesem Thema wachrütteln will.

"Es war sehr schön, dass sich Initiativen aus beiden Ländern austauschen konnten und voneinander lernen konnten. Die Diskussion hat sich ganz lebendig gestaltet. Auch das Live-Cooking war prima! Ich hoffe, dass sich darauf Folge-Projekte ergeben."

"Die verschiedenen Perspektiven und Initiativen aus beiden Ländern kennenzulernen war sehr schön und wirklich interessant! Toll wäre es, wenn auch im Nachgang eine Vernetzung möglich wäre."

"Für mich war es besonders interessant die Aktiven in St. Petersburg / Russland kennen zu lernen und über diese zu hören. Aus Deutschland erlebe ich eine sehr homogene Gruppe an Foodsavern und Slow Food Aktiven. Für die russische Seite habe ich den Eindruck bekommen, dass es eine breitere Unterstützung in der Gesellschaft findet. Das ist toll und spannend."

"Es war interessant zu hören, welche Initiativen es in St. Petersburg und Hamburg gibt. Herauszufinden, wie diese Initiativen auf Landes- und kommunaler Ebene unterstützt werden, wenn sie unterstützt werden. Sich die guten und nicht sehr erfolgreichen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Unternehmensstrukturen anzuhören."

"Einfach mit Gleichgesinnten aus Russland Austausch zu haben, großartig, mehr davon!"


Sie haben die Veranstaltung verpasst, aber möchten trotzdem wissen wie Lebensmittelrettung in Hamburg und St. Petersburg funktioniert? Dann klicken Sie hier, um die Live-Aufnahme nachzuschauen.


© Text und Fotos: Regine Eickhoff-Jung (stellvertr. Vorsitzende), Deutsch-Russische Gesellschaft in Hamburg e.V.