Russland im Gespräch: "Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein"

Die XVI. deutsch-russische Städtepartnerkonferenz in Kaluga

In der vierten Folge unserer Reihe „Russland im Gespräch“ kommt Moderator Hermann Krause in einen konstruktiven Austausch mit vier ausgesprochenen Experten aus dem deutsch-russischen Bereich. Der frühere ARD-Hörfunkkorrespondent in Moskau Hermann Krause diskutiert u.a. mit Bestsellerautorin Katja Gloger, dem russischen Deutschlandexperten Vladislav Belov, dem Bayerischen Journalisten und Gewinner des Peter-Boenisch-Gedächtnispreises Johannes Grotzky und last but not least dem Russlandexperten in Deutschland Martin Hoffmann.  

Es geht um eine Konferenz der Verständigung: Vom 28. bis 30. Juni 2021 werden, sofern es die dann geltenden Coronamaßnahmen zulassen, deutsche und russische Vertreter der Kommunen und Gemeinden, von Vereinen und aus der breiten Zivilgesellschaft in Kaluga zur deutsch-russischen Städtepartnerkonferenz zusammenkommen. Bereits zum 16. Mal wird dann „Diplomatie von unten“ verübt. Dass Politik im kommunalen Raum entstehe, greift Martin Hoffmann auf. Er wirbt dafür, die „offene, bunte und existierende Zivilgesellschaft in Russland“ zu unterstützen und lädt ein, im Rahmen der anstehenden Konferenz in Kaluga miteinander ins Gespräch zu kommen. Der Deutschlandexperte Belov unterstreicht, dass Russland in seiner Weite von Kaliningrad bis Kamtschatka ein fester Bestandteil Europas sei. Umso verärgerter reagiert er, wenn er sich bestehende Städtepartnerschaften anschaue. Es seien zu wenig, mahnt Belov, und ruft zu mehr Engagement in dem Bereich auf. Johannes Grotzky – ein Kenner Osteuropas und Russlands – ruft dazu auf, trotz aller aktuellen, politischen Probleme Kontakt zu suchen. „Man müsse mit seinem Gegner ins Gespräch kommen, denn letzten Endes gehe es um den Menschen. Politiker und politische Systeme vergehen über kurz oder lang.“ 

Es werden aber nicht nur die Vorzüge von Städtepartnerschaften und der notwendigen, kommunalen Politik als Pfeiler besprochen. Hermann Krause umrahmt die Sendung mit ganz aktuellen Problemen: Zu Beginn greift er dazu aber noch einmal in den historischen Fundus und spricht Egon Bahrs Ostpolitik an: „Wandel durch Annäherung“. „Das war ein revolutionäres Konzept“, würdigt Katja Gloger die damalige Politik Brandts und Bahrs. Mit Bezug auf die jüngsten verbalen Attacken des US-Präsidenten in Richtung Russland kontert Gloger gekonnt: Einen Politiker eines anderen Landes als einen Mörder zu bezeichnen, sei keine diplomatische Gepflogenheit. Mit Blick auf die transatlantischen Beziehungen in naher Zukunft ist Katja Gloger der Meinung, dass es keinen Reset in den amerikanisch-russischen Beziehungen geben werde. Aber es werde den Versuch geben, auf unterer Ebene Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit zu definieren.  

Zuvor haben zum gleichen Thema der Ministerpräsident a.D. Matthias Platzeck, die Witwe des Ostpolitikers Bahr Frau Professor Adelheid Bahr und der oben erwähnte Russlandexperte Martin Hoffmann einen Aufsatz verfasst: „Ostpolitik lebt doch“ können Sie unten nachlesen.