7. Arbeitsgruppe: "Gesundheit: „Medizinisch-wissenschaftliche und humanitäre Zusammenarbeit in Partnerstädten“

Medizinisch-wissenschaftliche und humanitäre Zusammenarbeit in Partnerstädten

Interview mit dem Koordinator der AG Jörg Tauss, Vorsitzender der West-Ost-Gesellschaft in Baden-Württemberg e.V.

Herr Tauss, Sie koordinieren in diesem Jahr zum ersten Mal die AG Medizinisch-wissenschaftliche und humanitäre Zusammenarbeit in Partnerstädten. Welche Inhalte bietet die AG konkret?

Wir kommen aus der Tschernobyl- Arbeit mit Weißrussland und beschäftigen uns seit 1986 mit dem Thema „Medizin“. Dennoch spielte das bei früheren Partnerschaftskonferenzen keine große Rolle. Ums so mehr freuen wir uns, dass es jetzt in Düren klappt. Zunächst planen wir, unterschiedliche Aktivitäten und Abkommen vorzustellen. Inhaltlich wollen wir vor allem modellhafte Projekte präsentieren. Zum Beispiel den Austausch und die Hospitationen von Fachkräften aus unseren Ländern. Auch das Klinikum unserer Gastgeber in Düren hat ein solches Projekt. Ähnliches kennen wir aus Karlsruhe mit Krasnodar und anderswo. Im Programm stehen aber auch spezielle Themen: Mukoviszidose in Samara, ein AIDS- Projekt in Jekaterinburg und Ergebnisse von Fachkonferenzen unterschiedlichster Art. Wir sind thematisch offen. Stünde am Ende eine stärkere Vernetzung der „Szene“, wäre dies über die Tage in Düren hinaus natürlich großartig.

Wie wichtig ist der kommunale Austausch zu diesen Themen?

Oft sind wegen der Zuständigkeiten die Städte nicht unmittelbar involviert. Beim Stuttgarter Partner Samara ist beispielsweise das Gesundheitsministerium des Oblast für die Kliniken zuständig. Träger der Kliniken in Stuttgart ist wiederum die Stadt Stuttgart. Diese organisatorischen Unterschiede behindern uns aber nicht wirklich bei der Arbeit. Und wenn sich die Oberbürgermeisterin von Samara an den dortigen Gesundheitsminister wendet, um etwas voranzubringen, ist das natürlich wichtig. Als kleiner Verein hatten wir diese Zugänge nach oben zunächst natürlich nicht. Da hilft kommunale Unterstützung vor Ort enorm.

Was können deutsche und russische Kommunen im Bereich der medizinisch-wissenschaftlichen und humanitären Zusammenarbeit voneinander lernen?

Zunächst geht es um das gemeinsame Interesse, dass alle Menschen gesund sein und bleiben wollen. Und dass das Thema Gesundheit somit eines ist, das im wahrsten Sinne des Wortes die Menschen unserer Städte verbindet. Gerade der Einsatz für kranke Kinder ist doch Völkerverständigung im besten Sinne des Wortes. Um beim Beispiel Mukoviszidose zu bleiben: Erfreulicherweise werden die von dieser Krankheit Betroffenen dank medizinischem Fortschritt immer älter, wo sie früher leider oft jung verstarben. Die Erwachsenenmedizin ist in Russland,  wie auch bei uns, ist auf diese Entwicklung noch nicht wie notwendig eingestellt. Da können weniger die Kommunen als vielmehr Ärztinnen und Ärzte voneinander lernen. Jedoch sind die Kommunen unersetzlich, einen solchen „nachhaltigen“ Know how- Austausch zu unterstützen.

 

Quelle: DRF Info Bulletin
Fotos: West-Ost-Gesellschaft in Baden-Württemberg e.V.