Deutsch-russische Projekte und Begegnungsarbeit in Landshut

Begegnungsarbeit braucht Zufälle

Meist sind Großprojekte auch Leuchtturmprojekte. Trotzdem berechtigen sie nicht dazu, den persönlichen Begegnungen, der Vernetzung Einzelner, dem wechselseitigen Austausch ohne großen Aufwand und langjährigen Kontakten, also der Begegnungsarbeit im kleinen Maßstab, Bedeutung und Wirkung abzusprechen.

Ein Beispiel dafür:                

Schweizer Bekannte wollten im Gespräch nicht zurückstehen und mit ihren geschichtlichen Beziehungen zu Russland punkten. „Wer kennt den Namen des russischen Generals, der mit seiner Truppe unsere Schweiz von Belinzona über das schluchtenreiche Gebiet um den St. Gotthard Pass nach Lindau durchquert hat?“ Große Zweifel, ob denn jemals ein russischer Soldat die Schweiz betreten habe, aber überwiegend Verwunderung, Erstaunen und das Eingeständnis des großen Nichtwissens waren die Reaktionen.

Diesen halsbrecherischen Marsch von General Suworov wollen 2019 mutige Kadetten aus Petersburg in Originaluniform auf Schweizer Boden wiederholen.1799. also vor 220 Jahren, vertrieb General Suworov zusammen mit den Italienern die Franzosen, da sich die übrigen Herrscherhäuser gegen die Französische Revolution und deren Gedankengut stemmten. Aber der Kampf war nicht nur erfolglos, sondern auch der Auftakt zum Aufstiegs Napoleons, der 1812 vor Moskau stand.

Den Kadetten wollen es viele Gruppen Jugendlicher gleichtun, wenigstens ein Stück dieses Gewaltmarsches nachzuvollziehen, um so der Soldaten, vor allem aber des Generals Suworov zu gedenken, der mit Führungsstärke seinen Soldaten ohne Meuterei höchste Anstrengungen abverlangte. Wie kommt es, dass eine unternehm-ungsfreudige und dem interkulturellen Lernen verpflichtete Nowosibirskerin genau diese Idee mit Jugendlichen umsetzen will?

Ein Bekannter der Schweizer Gesprächspartner hatte die Informationen an sie weitergegeben und stellte den Kontakt zur Botschaft der Russischen Föderation in Bern hergestellt. Der wichtigste Hinweis aus dem Antwortschreiben bestand darin, dass jedes Projektvorhaben begrüßt wird; außerdem enthielt sie wichtige Links, um sich mit Unterstützern vernetzen zu können. So ist nun ein Projekt in Arbeit, das seinen Anfang in einer belanglosen Unterhaltung nahm, beherzt aufgegriffen wurde und sich zu einem Projekt der Begegnung mit Geographie, Geschichte und Menschen der auf ihre Neutralität pochenden Schweiz zu entwickeln scheint. Gleichzeitig belegt es aber auch die Wichtigkeit jeder Begegnungsarbeit, so dass auch gerade deswegen nur noch gutes Gelingen zu wünschen bleibt.

In Landshut werden deutsch-russische Kleinprojekte und Begegnungsarbeit erfolgreich durchgeführt

Alles begann mit Mundpropaganda und persönlicher Initiative. „Wer bei mir Deutsch lernt, dem vermittle ich einen Aufenthalt in Deutschland“ – mit diesen Worten warb die Leiterin des Nowosibirsker Sprachstudios „Bunte Zeit“ um Schüler, die Interesse an der deutschen Sprache und Deutschland haben. Zwei davon lud die Sprachenschule der Volkshochschule Landshut 2017 für drei Wochen ein, wobei Landeskunde nicht zu kurz kam. Eine der beiden ist Mediengestalterin, die schon viele Proben ihres Könnens in Form von Visitenkarten, Signets und Flyern abgeliefert hat.

Die angehende Managerin und Pressesprecherin eines Instituts der Akademie der Wissenschaften in Akademgorodok konnte in den Stadtwerken Landshut, sehr gut betreut, wunschgemäß hospitieren.

Dass dort ein sehr bemerkenswertes Arbeits- und Lernklima herrschte, belegt die Tatsache, dass die Schülerin gleichsam ihre Lehrerin nach Nowosibirsk einlud und gemeinsam Wanderungen im Naturschutzgebiet des Altais, ganz nah der chinesischen Grenze unternahm.

Welche Auswirkungen gut gelungene Aufenthalte haben können, zeigt sich in dessen Ergebnis. So organisierte sie mit großem Einsatz das Wintermärchen für eine Reisegruppe von 13 Teilnehmern, Silvester 2018/19 in Sibirak feiern zu können. Das Generalkonsulat bestätigte den Besuchern mit großer Anerkennung, dass noch nie im tiefsten sibirischen Winter eine so große und mutige Gruppe begrüßt werden konnte.  Zum abwechslungsreichen Programm gehörten der Besuch einer original russischen Sauna (Banja) mit Eintauchen ins Eisloch, Schneemobilfahren, Hundeschlittenfahrten und Reiten durch die Winterlandschaft der Taiga. Den Höhepunkt bildete dann die all inclusive Silvesterfeier und der musikalische Genuss der Tschaikovky Operette „Der Nussknacker“ in eindrucksvoller Weise im zweitgrößtem Opernhaus Russlands in Nowosibirsk.

Ein Radiologe konnte von einer engagierten Heidelberger Dolmetscherin im medizinischen Bereich, die 2007 selber innerhalb der Landshutwoche während des Deutschlandseminars der Ost-Westgesellschaft Baden-Württemberg die Stadt Landshut kennenlernt hatte, ein dreiwöchiges Praktikum an der UNI-Klinik in Frankfurt am Main vermitteln.

Mittlerweile gelang es, dem Radiologen im September 2019 ein zweites Praktikum zu vermitteln. Neben der fachlichen Fortbildung bekommt er auch Einblick in den Ausbau der Radiologischen Abteilung eines Kreiskrankenhauses. Jetzt geht es darum, alle Voraussetzungen zu schaffen, ein möglichst effektives Praktikum zu organisieren und nebenbei möglichst viel,Landeskunde zu erleben. Dies fällt zweifellos als Aufgabe auch in den Bereich der Begegnungsarbeit im Ehrenamt.

Foto Links: Der ungewöhnliche Beginn des Aufenthaltes, um die deutschen Sprachkenntnisse zu verbessern beginnt auf dem Erdbeerfeld. Foto Rechts: Russische Hospitantin beim Besuch des Hundertwassermuseums in Abensberg

Immaterielle Hilfe

Eine enorm wichtige, aber wenig öffentlichkeitwirksame Aufgabe individueller Begegnungsarbeit ist die Unterstützung in besonderen Situationen. Dazu zählt die Unterstützung einer von Krebs geheilten Doktorandin durch Beratung in sprachlichen Fragen ihrer Veröffentlichungen und Vorträge.

Auf Grund ihrer Krankheitsgeschichte wurde sie nach Berlin eingeladen, um aus ihrer Erfahrung mit Pflege und narrativer Medizin zu referieren. In ihrem beachtetem Vortrag behandelte sie das Thema: „Die Pflege aus dem Geiste der russischen Orthodoxie“. Dass davon viele Anregungen in die Pflegegesetzgebung übernommen werden, wäre wünschenswert. Nachdem ihr ein DAAD-Stipendium zugesagt wurde, wird sie für ihre Doktorarbeit an drei Kliniken Arbeitsweise, Ergebnisse und Zusammensetzung von Ethikkommissionen vergleichen.  

Eine Tasse Tee für Tschumakovo

Der Slogan „1 Tasse Tee für Tschumakovo“ hat die Zusammenarbeit mit einer Schule mit Internat für Waisen und Sozialwaisen groß und erfolgreich gemacht. Tschumakovo ist ein verlassenes Dorf in der sibirischen Taiga. Es liegt 60 km nördlich von der Kleinstadt Kjubyschev an der Transsibirischen Eisenbahn, 400 km westlich von Nowosibirsk. Der katholische Pfarrer von Kjubyschev, Dietmar Seiffert, empfahl die Internatsschule für eine Zusammenarbeit, weil sie von Direktor Nowikov sehr gut geführt würde, vom Erbauer, Gouverneur Tolokonsky, unterstützt werde und das Lehrpersonal sehr fortbildungsinteressiert sei. Das 1968 festgelegte Schulprofil als Förderschule mit Internat, entwickelte sich in den 80er Jahren in Richtung landwirtschaftliche Berufsschule, da ihr auch landwirtschaftliche Nutzflächen mit Tierhaltung angegliedert waren. Weil aber das Internat In den 90er Jahren immer mehr Waisen- und Sozialwaisenkinder aufnahm, änderte sich die Aufgabenstellung: Resozialisierung der Kinder, Selbstorganisation und Integration, sowie die Behebung von Lernschwächen und Sprachfehlern, stand im Vordergrund. Veröffentlichungen in der Fachzeitschrift „Defektolog“ machten die Schule bekannt. 

Zur Ausstattung einer russischen Vorzeigeschule gehören eigene Arbeitszimmer für Logopäden, Psychologen, Physiologen und Sozialpädagogen, sowie Werkstätten, ein kleines Museum, ein medizinischer Trakt, ein großer Entspannungsraum mit Aromatherapie, ein Massage- und Konferenzsaal. Mit der neu errichteten Schule und dem angegliederten setzte sich der ehemalige Gouverneur des Nowosibirsker Gebietes, Tolkonsky, der in Moskau arbeitet, ein Denkmal in der Taiga. Der Weg zur eigentlichen Zusammenarbeit war mit vielen fehlgeschlagenen Planungen gepflastert. Dazu gehörten die Absicht vorbildwirksam Biolebensmittel zu produzieren, die sächliche Ausstattung für den Hauswirtschaftsunterricht mit genügend Besteck auszustatten und Musiklehrer zur Ausbildung in der Musik von Karl Orff ins Mozarteums nach Salzburg zu schicken. Keiner der Projektvorschläge ließ sich aus Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse verwirklichen. Den Durchbruch schaffte eine Gymnasiallehrerin aus Jena, die ein sprachpraktisches und pädagogisches Lernfeld für ihre spätere Unterrichtstätigkeit in den Fächern Russisch und Geschichte suchte.

„Mein Herz gehört den Kindern von Tschumakovo“

Mit einem Lada begann nach der Landung in Nowosibirsk auf einer Landstraße, die nicht in bestem Zustand war, die Reise in das entlegene und verschlafene Dorf Tschumakovo. Die ersten Mails ließen mehr den Abbruch des Aufenthaltes vermuten als das Durchhalten von 7 Wochen an der Schule, nachdem die Unterbringung sehr bescheiden war. Die Anhänglichkeit, Herzlichkeit und Natürlichkeit der Kinder schafften es, die Stimmung aufzuhellen und den Aufenthalt zu einer Zeit mit großem Erfahrungszuwachs und nachhaltigen Eindrücken werden zu lassen. Die drei Nachfolgerinnen, Nicole, Lisa und Timona trugen mit ihren Beobachtungen und pädagogischen Vergleichen ein realistisches Mosaikbild zusammen. Unverständlich bleibt dabei die Bestimmung, dass es Kindern, die einmal der Förderschule zugewiesen sind, keine Durchlässigkeit gibt, also in die Regelklasse zu wechseln unmöglich ist. Das erzeugt bei den Schülern Gleichgültigkeit und Desinteresse. Wozu dann anstrengen? Die ständige Überwachung und die unmittelbare Beurteilung des Verhaltens durch ein Heer von Spezialisten verunsichern und zerstören kindliche Ursprünglichkeit. Daher haben die Kinder an allen Hospitantinnen vor allem geschätzt, dass sie fragen, sich unkontrolliert geben und in ein neues Gesicht blicken durften. „Ich hatte das Gefühl es gefällt und hilft ihnen, wenn jemand aus dem Ausland kommt, die Sprache auch nicht perfekt beherrscht und dennoch versucht mit Ihnen in Kontakt zu kommen“, so Timona Ghosh. Unter diesen Umständen haben alle vier Hospitantinnen sehr große Empathie mit den Kindern entwickelt, weil ihnen im Unterschied zu unserem Schulwesen gewusst geworden ist, wie die Schule Chancen vergibt und die Entwicklung der Persönlichkeit unterdrückt. Unter diesen Eindrücken versteht sich, dass am Ende jeder Hospitation beiderseits Tränen flossen.  

„Es gibt nur eines, was auf Dauer teurer ist als Bildung: Keine Bildung“ J.F. Kennedy

Nach der Entlassung aus dieser Rundumbetreuung mit 18 Jahren sind die jungen Erwachsenen ausschließlich sich selbst überlassen. Ohne berufliche Ausbildung sind sie nicht in der Lage, ein eigenes Leben aufzubauen. Was als berufliche Ausbildung an der Schule verstanden wird, gleicht unserem Werkunterricht und qualifiziert keinesfalls zu einem Beruf. In dieser Unselbstständigkeit, ohne jegliche soziale Hilfe und ohne eigene Wohnung suchen sie im Alkohol Zuflucht oder gleiten zuletzt ins kriminelle Milieu ab. Damit beginnt der Teufelskreis von vorne. Wenn Kinder aus solchen Familien als Sozialwaisen in ein Internat gesteckt werden, dann stellt dies für sie eine harte Entscheidung dar, ist aber immer noch das geringere Übel. Damit erklärt sich auch, dass innerhalb der wenigen Wochen eine so enge Bindung und tiefes Mitgefühl gewachsen sind, wie es die Überschrift zum Ausdruck bringt. 
Auch die Dorfbewohner waren an der Person aus Deutschland interessiert; „Auf meinen Spaziergängen betrachteten mich die Dorfbewohner stets wie eine Sehenswürdigkeit. Auch die sprichwörtliche russische Gastfreundschaft lernte ich auch kennen und kam mit den Bewohnern öfter ins Gespräch. Selbst wenn ich anfänglich dachte, dass die sibirische Taiga  nicht viel zu bieten habe und das ländliche Leben eintönig sei, so wusste ich nach sechs Wochen die Natur, die Menschen im Dorf, die Schule und natürlich die Kinder sehr zu schätzen, Es erfüllt mich mit Freude und Stolz, mich für eine Hospitation in Tschumakovo entschieden zu haben“, so Timona Ghosh.
Die einzig richtige Antwort auf die pädagogische Situation bestand in der Einladung von Frau Bogdanova, Konrektorin der Schule, um das bayerische Förderschul-wesen kennen zu lernen  Während ihres Aufenthaltes hospitierte sie an der Förderschule und Pestalozzischule der Stadt Landshut und besuchte das führende Berufsbil-dungswerk für berufliche Rehabilitation in Abensberg, wo jeder den Abschluss einer Berufsausbildung erwerben kann. Sie gab ihre Eindrücke und Einschätzungen, ihr Wissen und ihre Erfahrungen nicht nur an das Kollegium, sondern auch in einer Konferenz an die Verantwortlichen für das Schulwese des Rayon Kjubyschev weiter.
Aus dem Austausch über die unterschiedlichen Ansätze der Behindertenpädagogik entwickelte sich ein Konzept der konkreten Hilfe. Durch das Entgegenkommen des Vorsitzenden des Bauernmarktes beim Biller e.V., Herrn Heckinger, durfte ohne Standgebühr ein Verkaufsstand auf dem Europäischen Bauernmarkt betrieben werden. Dieser war natürlich in besten Händen, weil die Betreuerin, Tschumakovo aus einem 6-wöchigen Aufenthalt kennen gelernt hatte. Daher war der Slogan „1 Tasse Tee für Tschumalovo“ ihr Vorschlag. Da das Studium in den Folgejahren keine weiteren Betreuungszeiten mehr zuließ, übernahmen diese Aufgabe die Studentin, Frau Zvereva aus Nowosibirsk und später eine aus Tomsk stammende junge Frau.

Ein russisches Sprichwort besagt: „wenn jeder im Dorf einen Faden gibt, dann hat der Nackte bald ein Hemd“

Die Martin-Bauer-Group-Vestenbergsgreuth verdient großen Dank für die zur Verfügung gestellten Kräuter- und Früchtetees. Er wurde zubereitet und ausgeschenkt, aber auch in Päckchen verkauft. Vor allem Matrjoschkas ließen sich als einzige Gegenstände der Birkenholzkunst gut und gewinnbringend verkaufen. Was aber noch viel entscheidender ist:  Der Stand wird während der drei Tage zu einer Informationsplattform, Austausch- und Kontaktbörse. Der eine sucht eine Reise nach Russland, eine Frau will den Bericht über die Kriegsgefangenschaft ihres Großvaters in zuverlässige Hände geben, eine Gastfamilie kommt über eine Lehrerin ins Gespräch, die sie aufgenommen vor langer Zeit aufgenommen hatte und ein Ehepaar sucht eine russische Studentin, der sie die Reise mit der Transsib finanziert, wenn das Dolmetschen und Managen übernimmt.  

Weiteres Angebot

Diirektor Nowikov bietet an, dass Studierende der Sozialen Arbeit, das studienfachbezogene Praktikum im Internat und an der Schule in Tschumakovo ableisten können. Der weitere Ausbau der Beziehungen scheiterte an seiner Erkrankung. Dennoch lief auf dem drei Tage dauernden Europäischen Bauernmarkt beim Biller e.V. innerhalb der Begegnungsarbeit der Verkauf von russischer Birkenholzkunst, Teepäckchen und der Teeausschank über mehrere Jahre munter weiter. Damit stellt sich die Frage nach der Zuwendung des Geldes. Gemeinsamer Beschluss: wir wollen das Geld so effektiv wie möglich einsetzen, so dass neue Vernetzungen ergeben.

Schwierig, das Geld an den Mann zu bringen

In Gemeinschaft durch Teilhabe, entschlossen sich die Standbetreuerinnen, den Betrag einvernehmlich aufzuteilen. Mittlerweile hat sich die Absicht verfestigt: ein Teil des Geldes soll die Hospitation eines Multiplikators finanzieren. Sie ist bereits gefunden: Frau Samuilenko. Wer ist diese Frau? Sie leitet das Regionale Zentrum Nowosibirsk für das allgemeine Schulsystem, außerdem zuständig für psychologische und pädagogische Hilfe, sowie Gesundheits- und Sozialhilfe. Die ersten Schritte sind eingeleitet, aber durch Corona vorerst gestoppt. Wenn sie darauf stolz ist, eine Schule für hör- und sehgeschädigte Kinder aufgebaut zu haben, dann zeigt sich hier die Nützlichkeit von Austausch und Zusammenarbeit, denn diese Institution besteht bei uns schon seit mehreren Jahrzehnten. So lassen sich Experimentier- und Lernwege abkürzen oder als überflüssig vermeiden. Auf Wunsch von Direktor Nowikov, sollte das Geld nicht von Mittelspersonen übergeben werden, weil er sonst ständige Überprüfungen zu befürchten und Nachweise zu liefern habe. Er würde es am liebsten ganz korrekt durch Banküberweisung bekommen, weil dann die Euros in Rubel ausbezahlt würden und sichergestellt ist, dass der Rubel unmittelbar rollt. Diese Vorgehensweise ist beschlossen, so dass es nur noch darum geht, die Überweisungskosten so niedrig zu halten wie nur möglich. 


Verkaufsstand „1 Tasse Tee für Tschumakovo“ auf dem Europäischen Bauernmarkt

Der Verkaufsstand, der vom 02.11. – 04.11.2018 stattfand fiel aus der Reihe und dafür umso mehr auf. Hier wird Tee, von der Vestenbergskreuther Teefirma gespendet, gekocht, ausgeschenkt, aber auch in verschiedenen Sorten in Packungen zum Kauf angeboten. Selbstverständlich erwiesen sich die Matrjoschkas, neben Gegenständen der Birken-holzkunst, Schals und anderen Kleingegenstände als die Renner des Marktes.

Zugleich bildete der Stand ein Forum für viele Informationsgespräche über Russland, um bei einer Tasse Tee sich auszutauschen, während das so in kleiner Münze ein-gesammelte Geld Kindern mit genetischen Defekten und Lehrerinnen, die sie unterrichten, zugutekommen soll. Diese gesteckten Ziele umzusetzen steht 2019 an. Bemerkenswert ist, dass sich selbst an so einem kleinen Stand, in vielen kurzen Gesprächen ein ständig sinkendes Interesse an Russland abbildet. 

Das Regionalzentrums für Diagnostik und Beratung in Nowosibirsk strebt eine Zusammenarbeit mit deutschen Einrichtungen an, die Inklusion nicht nur lehren, sondern auch praktisch umsetzen und zeigen. Kurz gesagt: Welche Probleme treten bei der Inklusion von der Kita bis zur Universität auf. So soll das erwirtschaftete Geld zum einen Lehrerinnen zugutekommen, die sich in der Inklusionspädagogik fortbilden wollen und der andere Teil einer Einrichtung, die Internate mit Geld unterstützt, die Kinder mit genetischen Defekten betreuen. Glücklicherweise hat die Studentin, die 2007 in Landshut war, mit bemerkenswerter Zielstrebigkeit nicht nur 2018 dem Radiologen ein Praktikum vermittelt, sondern auch ein Projekt über diese Thematik auf den Weg gebracht und dafür auch eine Förderung zugesagt bekommen. Neben den Projektzielen, können dann auch die Vorstellungen derLeiterin des Regionalzentrums mit 2 Lehrerinnen über Umwegen erfüllt werden, da sie eingeladen werden kann.


Schachturnier "Der goldene Turm"

Öfter als gewünscht, bewahrheitet sich das Sprichwort: „Unverhofft, kommt oft“. Das Gymnasium in Krasnogorsk bei Moskau richtet 2019 zum zweiten Mal das Schachturnier "Der goldene Turm" aus. Daran nehmen das Gymnasium aus Höchstadt a.A. auf Grund einer bestehenden Schulpartnerschaft und Schachspieler aus Erlangen teil. Für die Absage einer weiteren Einladung galt es, umgehend Ersatz zu suchen. Gar nicht so einfach, da sich Sprachschwierigkeiten und Unterrichtsausfall als Hürden aufbauen, die sich auch nicht durch den angekündigten Besuch im Kreml ausräumen lassen. Schnell war der Mann ausgemacht, der in Landshut Ersatzspieler sucht und findet. Dieser hatte nämlich die Hauptorganisatorin des Turniers schon mehrmals die Landshuter Hochzeit nahegebracht und durch die mittelalterliche Stadt Landshut geführt. Damit beweist sich wieder einmal, dass die unspektakuläre Begegnungsarbeit oft weitreichende Folgen und Erfolge haben kann.  

Mittlerweile sind nicht nur drei, sondern fünf erfolgreiche Schachspieler gefunden, die sich dem Turnier in der russischen Metropole und dem Land der weltbekannten Schachspieler dem Vergleich stellen. Um Partien gleich starker Spieler zu organisieren, wurde das Fide-id des einzelnen Spielers ausgetauscht. Weil eine größere Anzahl von Spielern gefunden wurde, konnten auch Schachspieler aus Nowosibirsk zum Turnier eingeladen werden. Ein weiterer Volltreffer, denn zwischen dem Rayon Nowosibirsk und dem Landkreis Landshut besteht seit 1991 eine Partnerschaft. Die deutschen Spieler kommen aus der Stadt und dem Landkreis Landshut. Damit erweist sich die Begegnungsarbeit eines Einzelnen für eine Partnerschaft als hilfreich.

Das Turnier wurde von den fränkischen Firmen Knauff und der Teefirma Bauer unterstützt. Vom Echo in den Medien beeindruckt, sagte Präsident Putin ein Stipendium für die Ausrichtung 2020 zu. Es spricht für die gegenseitige Wertschätzung und das hervorragende Verständnis untereinander, dass sich Spieler und Betreuer schon vorher über eine Wiederholung des Turniers und gegenseitige Besuche verständigt hatten.

Gab es auch Preise?

Jeder Teilnehmer eines Wettbewerbs will eine Trophäe erringen und sie nach Hause mitnehmen. Die Veranstalter beauftragten den  Künstler Evgenij Anatoljewitsch Glys mit Design und Anfertigung. Er lebt in Krasnogorsk und arbeitet im Stil der naiven Malerei vorwiegend mit dem Material Lindenholz. Der Autor sagt über sein Projekt "Tschernevsker Spielzeug“, in dessen Stil die Preise ausgeführt sind, Folgendes: „Wahrscheinlich hat jeder Mensch im Herzen sein eigenes Dorf. So habe auch ich mein eigenes Dorf - Tschernevo. Einst lag es an der Grenze zwischen der Stadt und dem Wald. Bald wird Tschernevo verschwinden, denn von allen Seiten wird es von städtischen Neubauten bedrängt. Aber soll nicht wenigstens etwas bleiben? So wurde die Idee für das Spielzeugs geboren - das Dorf wird vergehen, das Spielzeug wird bleiben.“ Zumindest werden alle die Preise erzielt haben, an das Ringen um das Überleben eines Dorfes und seiner Kultur erinnert.

Jeder Abschied fällt schwer

Gleichzeitig war es ein äußerst gemeinschaftsbildender Aufenthalt, der leider viel zu schnell zu Ende ging. Dafür zeigten die Verantwortlichen großes Verständnis und sprachen bereits so zeitig die Einladung für das Turnier 2020 aus, um noch mehr Zeit für die Vorbereitung zu haben.

 

75 Jahre in Frieden und Freiheit

Die XV. Städtepartnerschaftskonferenz in Düren gab den Anstoß dazu, 2020 die 75 Jahre in Frieden und Freiheit seit Kriegsende angemessen und auf unterschiedliche Weise zu feiern. So laufen Bemühungen, einer russischen Künstlerin aus Nowosibirsk die Möglichkeit zu bieten, ihre Werke ausstellen zu können, in denen sie das Kriegsgeschehen in der Stadt Landshut aus ihrer Sicht verarbeitet hat. Sie versucht im Kontrast kurz vor Kriegsende zerstörter Stadtteile Landshuts, wo ein Bombardement viele Tote forderte, im Vergleich mit dem Heute zu verarbeiten und darzustellen. Indem sie Situationen von 1945 und heute gegenüberstellt, will sie den Landshutern bewusst machen, welche Gegensätze Krieg und Frieden sind und welche Lebensbedingungen sie zur Folge haben. Vielleicht wecken sie den Gedanken, wofür dankbar zu sein, Anlass besteht. Schließlich geht es auch darum im Kleinen die Rolle Russlands zu würdigen, die es bei der Wiedervereinigung Deutschlands 1989 gespielt hat. Für die Beurteilung ihrer heutigen Rolle hat uns kein anderer so grundsätzlich und nachhaltig geraten wie Erhard Eppler in seiner Rede vom 22.06.1941.

Das Turnier wurde von den fränkischen Firmen Knauff und der Teefirma Bauer unterstützt. Vom Echo in den Medien beeindruckt, sagte Präsident Putin ein Stipendium für die Ausrichtung 2020 zu. Es spricht für die gegenseitige Wertschätzung und das hervorragende Verständnis untereinander, dass sich Spieler und Betreuer schon vorher über eine Wiederholung des Turniers und gegenseitige Besuche verständigt hatten.


Student aus Landshut versucht die deutsche Sprache wieder in Russland zu beleben

Es hat verschiedene Gründe, warum die deutsche Sprache gegenüber dem Englischen in Russland an Boden verliert. Einen davon hat eine Lehrerin beschrieben, die heute selber ein Sprachstudio für Deutsch betreibt. Die Englischlehrerin, eine gebürtige Amerikanerin weiß mit ihrem amerikanischen Lebensstil zu punkten. Sie gibt auf alle Fragen der Schüler schlagfertig und sicher Auskunft, während die Deutschlehrerin die noch nie in Deutschland war, sich immer erst aus Büchern schlau machen oder Kolleginnen befragen muss. Ein anderer Grund liegt darin, dass es mehr amerikanische Firmen gibt, in denen Englisch vorausgesetzt wird. Also sind bei den Eltern die Jobaussichten ausschlaggebend für die Wahl der ersten Fremdsprache ihrer Kinder.

Dem begegnet die Technische Universität Nowosibirsk mit der Einladung eines Muttersprachlers, der vor allem korrektes Deutsch, Landeskunde und Präsentation deutscher Kultur sicherzustellen hat. Diesen gefunden und auf den Weg nach Nowosibirsk geschickt zu haben, erhöht sicherlich die Anstrengungsbereitschaft der russischen Studenten, die deutsche Sprache zu erlernen. Genau dieser Aufgabe widmet sich ein mutiger Student aus Landshut. Bis jetzt konnte er viele Kontakte sammeln, große Anerkennung für seine Arbeit erringen Land und Leute kennen lernen. Nur sein bedauernswertes Problem kann er nicht lösen, dass sein dreimonatiger Aufenthalt schon bald zu Ende gehen wird. Darum ist ihm zu wünschen, dass sein persönlicher Gewinn mindestens so groß ist, wie die Minustemperaturen in den Wintermonaten seines Aufenthaltes tief waren. 

Mit seiner Arbeit große Anerkennung gefunden zu haben, Land und Leute kennen gelernt zu haben, war nicht nur persönlicher Gewinn, sondern hat auch den Abschied nach einem dreimonatigen Aufenthalt beiderseits schwer gemacht. Auch nachhaltige Verbindungen sind entstanden und gemeinsame Studienzeiten an der Freien Universität Berlin geplant.


Ansprechpartner in der Stadt Landshut

LebensAchsen e.V. 
„Begegnungsarbeit im Ehrenamt“ 
Maximilian Sailer
Gründungsmitglied und Beisitzer
Pfarrfeldstraße 42
84036 Landshut
E-Mail: maximilian.sailer(at)icloud.com
Telefon: 0871/44259
Mobil: 0173/8057721


© Texte und Bilder Maximilian Sailer, Begegnungsarbeit im Ehrenamt