Lebendiges zivilgesellschaftliches Engagement in der Städtepartnerschaft Essen/ Nischni Nowgorod

Auf Bestreben einer Bürgerinitiative begann die Stadt Essen sich Ende der 1980er Jahre um eine deutsch-russische Partnerschaft auf kommunaler Ebene zu bemühen. Im Januar 1990 gründete sich die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Begegnung (heute Gesellschaft für Deutsch-Russische Begegnung, DRG), die sich nach Prüfung einiger Alternativen für Nischni Nowgorod als Partnerstadt Essens einsetzte. Der Rat der Stadt Essen folgte der Empfehlung und fasste 1991 den Grundsatzbeschluss eine Partnerschaft mit Nischni Nowgorod einzugehen. Beide Städte nahmen sich vor durch eine bessere Völkerverständigung auf regionaler und kommunaler Ebene dafür zu sorgen, dass ein Zusammenwachsen trotz der historisch bedingten Unterschiede zwischen den beiden Städten möglich sein würde.

Das Ziel der Partnerschaft besteht seither darin, gemeinsame Projekte zu entwickeln, die Verständnis und Austausch zwischen den Kulturen stärken. Von besonderer Bedeutung im Hinblick auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ist hierbei das Engagement der Bürgerinnen und Bürger selbst. Ohne die Beteiligung der Essener Bürgerschaft an Entstehen und Fortbestand der partnerschaftlichen Beziehungen wäre die Vielfalt und hohe Qualität der gemeinsamen Initiativen nicht denkbar.

Zivilgesellschaftliches Engagement wird in der Städtepartnerschaft Essen/ Nischni Nowgorod lebendig und innovativ gestaltet. Insbesondere unterstützt die Stadt Essen gemeinsame Initiativen von russischen und deutschen Institutionen im Bereich Soziales, Wissenschaft und Kultur.

Hervorzuheben sind die Kernprojekte Freiwilliges Soziales Jahr, Au Pair sowie die Universitätskooperationen.

Ein Schwerpunkt der städtischen Projekte liegt auf der internationalen Jugendarbeit, die es jungen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen ermöglicht, ihren Horizont zu erweitern und prägende Erfahrungen in einem fremden Land zu machen. Die Stadt Essen schafft einen Raum zur Begegnung für die Jugendlichen und gibt ihnen die Gelegenheit im Rahmen von gemeinsamen Aktivitäten mehr Offenheit und Toleranz für fremde Lebensweisen zu entwickeln.

Freiwilliges Soziales Jahr in Nischni Nowgorod

Initiiert wurde das Projekt durch die Gesellschaft für Deutsch-Russische Begegnung Essen e.V. Im Jahr 1993, zunächst als Wehrersatzdienst in sozialen Einrichtungen Nischni Nowgorods mit einer Finanzierung aus Spendengeldern.

Bewerbung, Auswahl und Betreuung in Nischni Nowgorod obliegen nach wie vor der DRG. In der weiteren Umsetzung erfolgt eine enge Kooperation mit der evangelischen Kirche im Rheinland als zugelassenen Träger sowie der aufnehmenden Organisation in Nischni Nowgorod SFERA.

Die Auswahl der vier Einsatzplätze in Nischni Nowgorod erfolgt in enger Abstimmung mit der Stadtverwaltung Nischni Nowgorods, der Abteilung Internationale Beziehungen und evangelischen Kirche im Rheinland. Bisher konnten die Freiwilligen ihren Dienst in einem Waisenhaus, in Schulen für geistig und körperlich behinderte Kinder, einem Krankenhaus und einem Kindergarten ausüben. Zusätzlich sind sie in die Betreuung von Invaliden zu Hause eingebunden.

Seit 1993 haben mehr als 90 Schulabgänger aus Deutschland an diesem Projekt teilgenommen.

 

Freiwilliges Soziales Jahr in Essen

Gemeinsam mit der Staatlichen Lobatschewski-Universität, Lehrstuhl Sozialwissenschaften, und der DRG wurde das Projekt im Jahr 2011 begonnen. Es unterstützt die Erfüllung von Anforderungen an eine praxisbezogene Lehre im Rahmen der russischen Hochschulreform sowie einen qualitativ hochwertigen Einsatz in Essen.

Bisher haben zwölf  Studierende der Sozialwissenschaften/ Sozialen Arbeit ein FSJ in Einrichtungen des Behindertenreferates der evangelischen Kirche in Essen absolviert. Durch ihre Universität in Nischni Nowgorod werden sie sprachlich und fachlich ein Jahr lang vorbereitet.

Ab September 2018 erhalten jeweils zwei Studierende der Pädagogischen Minin-Universität die Möglichkeit des Erwerbs von Praxiserfahrungen in der Jugendberufshilfe Essen im Rahmen eines FSJ. Die Unterkunft wird durch die DRG organisiert.

 

Bedeutung des FSJ-Projektes auf kommunaler Ebene

Im Rahmen des Jahres der kommunalen und regionalen Partnerschaft 2017/2018 nahm der Oberbürgermeister der Stadt Essen, Thomas Kufen, die Ehrenmitgliedschaft in der DRG an und erklärte somit seine Unterstützung der deutsch-russischen Begegnungen.

Als persönlichen Beitrag, regte er ein Gesprächsformat „Freiwillig beim OB“ mit den Teilnehmern am FSJ aus Nischni Nowgorod, die in Essen im Einsatz sind, sowie den Teilnehmern in Nischni Nowgorod, nach deren Rückkehr an. Dieses Treffen fand erstmalig im Mai 2018 im Essener Rathaus statt und soll jährlich fortgeführt werden.

Die sehr erfolgreiche, zuverlässige Zusammenarbeit mit der Stadt Essen wird durch die Staabsstelle Internationale Beziehungen ermöglicht.

Am Beispiel des FSJ soll aufgezeigt werden, dass zivilgesellschaftliches Engagement eingebettet in kommunale und europäische Strukturen, in ein stetig wachsendes Netzwerk, langfristig, dynamisch und nachhaltig im Sinne eines friedlichen Miteinanders wirksam sein kann.

 

Ansprechpartner:

Stadt Essen

Der Oberbürgermeister

Stabsstelle Internationale Beziehungen

Herr Michael Theisen

Porscheplatz

45127 Essen

Telefon: 0201 8888723

E-Mail: michael.theisen(at)international.essen.de

Webseite: www.essen.de

 

Gesellschaft für Deutsch-Russische Begegnungen e.V.

Prof. h.c. Barbara Lachhein

M.A. Medizinmanagement

North-Western State Medical University named after I.I. Mechnikov, St. Petersburg

Telefon: +49 201 86 75 006

info(at)deutsch-russische-begegnung.de

deutsch-russische-begegnung.de

 

Rhein-Ruhr-Russland e.V.

Dr. habil. Martin Schneider (Vorsitzender)

Postadresse: Loewensteinstr. 32, 45355 Essen

Telefon: 0201 / 17 86 927