Filmprojekt eines Regisseurs aus Höchstadt

Andrei Iwanowitsch sagt Ja zum Leben

Andrei Iwanowitsch ist 92 Jahre alt und einer der letzten Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald. Im Alter von 15 Jahren, ist er von den Nationalsozialisten nach Buchenwald deportiert worden, überlebte und kehrte später in seine Heimat nach Weißrussland zurück. Der Regisseur Hannes Farlock, ehemaliger Höchstadter Gymnasiast, hat über ihn einen Film gedreht. Der Freundeskreis Höchstadt - Krasnogorsk zeigte diesen Film am Sonntag, den 8. April und bot danach die Gelegenheit zum Gespräch mit den beiden Protagonisten.

Hannes Farlock hat den Alltag von Andrei Iwanowitsch dokumentiert, nachdem er ihn drei Jahre lang begleitet hatte. Kennengelernt haben sich die beiden vor ein paar Jahren in Minsk, als Farlock wegen eines Job nach Weißrussland zog.
 

„Andrei Iwanowitsch verzaubert die Menschen, auch wenn er das gar nicht will. Es ist wie Magie", sagte Hannes Farlock, "wer ihn trifft, merkt sehr schnell, was er für ein toller, fröhlicher Mensch ist." Den 36-Jährigen, begeisterte sein neuer Freund so sehr, dass er sich entschied, einen Film über ihn zu drehen. So entstand die Idee zu einem Filmprojekt.

Der Film kontrastiert die Lebensbejahende Art, wie Andrej Iwanowitsch seinen Alltag meistert trotz seiner tragischen Lebensgeschichte. Er soll auch zeigen wie Andrej Iwanowitsch sich mit einer minimalen Rente (ca.100€) und zusätzlichen Nachtdiensten als Nachtwächter mit 92 Jahren über Wasser hält. Außerdem bewirtschaftet Andrej Iwanowitsch seine kleine Datscha und versorgt sich selbst und seine Freunde mit Gemüse und Obst. Er beschäftigt sich sogar mit Fremdsprachen, um seinen Geist fit zu halten. Durch diesen Film wird Andrej Iwanowitsch zum Symbol dafür, dass sich mit Selbstbewusstsein und Zuversicht auch schwerste Krisen meistern lassen. Der Film belehrt nicht, sondern soll vielmehr zur Selbstreflexion anregen und so für Frieden werben. Gleichwohl soll der Dokumentarfilm zur Diskussion anregen, weshalb er auch nicht im Fernsehen ausgestrahlt werden soll. Stattdessen machten sich Regisseur Farlock und der 92-jährige Hauptdarsteller gemeinsam auf den Weg und diskutierten nach der Filmvorstellung persönlich mit dem Publikum. Nach dem der Film in Höchstadt ausgestrahlt wurde besuchten Farlock und Iwanowitsch am nächsten Tag die Ritter-von-Spix-Mittelschule und das Gymnasium Höchstadt um mit Schülern darüber zu diskutieren. Die Schüler der beiden neunten Klassen hatten sich viele Fragen an Andrej Iwanowitsch überlegt. Sie fragten ihn über das Leben im Konzentrationslager und wollten wissen, wie es überhaupt dazu gekommen ist, dass er als 15 Jähriger aus der Ukraine, wo er damals lebte, nach Deutschland geraten ist.

„Man kann das nicht wirklich beschreiben, das muss man durchgemacht haben.“ sagte Andrej Iwanowitsch zögerlich. Dennoch erzählte er vom Leben in den Baracken, von der Willkür der Bewacher, den harten Arbeitstagen und von den sogenannten Todesmärschen. Er kam nach Deutschland, weil ihm Arbeit versprochen wurde. Er musste in einer Munitionsfabrik und einem Baulager arbeiten. Wieso er ins Konzentrationslager kam weiß Andrej Iwanowitsch selbst nicht.
Die wohl spannendste Frage war jedoch nicht auf seine Vergangenheit, sondern auf sein jetziges Leben bezogen: „Wie kann man so fröhlich sein, wenn man so etwas mitgemacht hat?“ fragte ein Mädchen. Andrej Iwanowitsch beantwortet diese Frage mit einem Lächeln: „Das Leben ist immer schwierig. Ich habe mich immer gezwungen, wenn etwas Schlechtes passiert ist, weiter zu leben. […] Ich bin niemandem böse, ich spüre keinen Hass. Die Zeit heilt alle Wunden.“
Nach dem Besuch der beiden Schulen reisten Farlock und Iwanowitsch nach Berlin, nach Leipzig zur Gedenkstätte Zwangsarbeit und schließlich zu den offiziellen Gedenkfeierlichkeiten zur Befreiung von Buchenwald nach Weimar.
Die Dokumentation „Ja, Andrej Iwanowitsch“ soll in Zukunft auf ausgewählten europäischen Festivals und in Programmkinos gezeigt werden.

Quellen:

www.russlandpartner.de/fileadmin/user_upload/Ja_Andrei_Iwanowitsch.pdf
www.russlandpartner.de/fileadmin/user_upload/FT-2018-04-10-Leidgeprueft_aber_nicht_verbittert.pdf
www.russlandpartner.de/fileadmin/user_upload/NN_Herzogenaurach_2018-03-28_Er_ging_durch_die_Hoelle.pdf
www.russlandpartner.de/fileadmin/user_upload/NN_Herzogenaurach_2018-04-11_Die_Zeit_heilt_Wunden.pdf