Kulturforum zwischen Karlsruhe und Krasnodar eingerichtet

Die Freundschaftsgesellschaft Karlsruhe-Krasnodar e. V. hat in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für deutsche Philologie der Staatlichen Kuban-Universität Krasnodar und der Walter-Eucken-Schule Karlsruhe ein Internetprojekt erfolgreich abgeschlossen, das vom Auswärtigen Amt finanziell gefördert wurde. In einer Abschlussveranstaltung in Karlsruhe haben sechs Studentinnen aus Krasnodar Ende Dezember 2019 der Stadt Karlsruhe und ihren Bürgerinnen und Bürgern ein Geschenk überreicht, das Ergebnis des Projekts: ein Kulturforum.

Hintergrund ist eine Ausschreibung des Auswärtigen Amtes in Berlin zum Thema: "Pluralismus stärken" – Auf- und Ausbau von Informations-, Meinungs- und Medienvielfalt.  Das Projekt "Internetforum Kultur in Krasnodar" wurde angenommen. Die drei Projektpartner, Freundschaftsgesellschaft, Staatliche Kuban-Universität und die Akademie für kaufmännische Bildung an der Walter-Eucken-Schule wollten 10 Studierende aus Krasnodar als Kulturbotschafter gewinnen, die regelmäßig und auf Dauer über Kulturelles aus Krasnnodar berichten.

Um an diesem Projekt teilnehmen zu dürfen, mussten sich die Studierenden am Lehrstuhl bewerben, mit einem Motivationsschreiben, mit Interview. Eine der Voraussetzungen waren gute Deutschkenntnisse, die manche Nicht-Germanistinnen am RDAZ, dem Regionalen Deutschen Ausbildungszentrum an der Kuban-Uni, erworben haben. Dann begann die Ausbildung in Grundlagen des Journalismus, erweitert mit einem aktiven Hospitationsaufenthalt in Karlsruhe. Ein Woche lang durften jeweils 5 bzw. 6 Studierende bei Medienunternehmen in Karlsruhe hospitieren. Dank der sehr guten Sprachkenntnisse der Ausgewählten, folglich durften sie die Mitarbeiter nicht nur begleiten, sondern ihnen wurden Aufgaben übertragen, die mit großer Motivation und Engagement umgesetzt wurden.

Im September 2019 hospitierten 5 Studierende bei den Unternehmen Badische Neueste Nachrichten, Badisches Tagblatt, Südwestrundfunk, Kulturamt der Stadt Karlsruhe und im Dezember waren es 6 Studierende, die hier hospitierten: Badisches Staatstheater, Institut für Musikjournalismus an der Hochschule für Musik, Baden-TV GmbH, SWR, Kulturamt.

Für die beiden Abschlussveranstaltungen, die Projektlaufzeit endete am 31.12., haben die Studierenden und Dr. Sergey Bychkov vom Lehrstuhl für deutsche Philologie 16 Plakate erstellt, die hier präsentiert wurden. Sie zeigen eine Auswahl aus den Beiträgen der Studentinnen auf dem Kulturforum. Dr. Bychkov und Frau Prof. Dr. Marina Oleinik, Leiterin des Regionalen Deutschen Ausbildungszentrums (rdaz.ru/de), stellten klar, dass es keine Vorgaben, keine Zensur, keine Einschränkungen gab. Worüber haben die Studentinnen nun berichtet?

Da gibt ein Interviews mit dem Regisseur des Jugendtheaters, eine Führung zu außergewöhnlichen Graffitis in Krasnodar, über das Sprachcafé "Aber_bitte_auf_Deutsch", über die schönste  Straße Krasnodars, über einen Science Slam, über Dönerkultur, Jazz am Mittwoch und über Großstadtlegenden. Bis Mitte Mai sind 27 Artikel erschienen. Für ihre Beiträge haben die jungen Autoren die Rubriken "Veranstaltungen", "Orte" und "Personen" eingerichtet, die unter diesem Link zu finden sind.

Die 6 Studentinnen zeigten pure Begeisterung für ihr Projekt, das sie in Eigeninitiative auch auf Instagram präsentieren. Und damit nicht genug: Diese Germanistikstudentinnen haben parallel zur Arbeit in diesem Projekt einen Sprachclub gegründet mit dem Namen "aber_bitte_auf_Deutsch". Jeden Samstag trifft man sich in einem Café und beschäftigt sich mit angekündigten Themen, ohne Lehrkräfte, dafür auch mit internationalen Gästen, Studenten aus Österreich und Deutschland, die über Social Media davon erfahren haben.

Die pure Begeisterung zeigt sich in den Antworten auf die Auswertungsfragen im Zusammenhang mit dem Projekt-Qualitätsmanagement:

"Das Projekt hat mich stark beeinflusst. Es hat sich als die Tür zur deutschen Kultur erwiesen.  Ich bin zum ersten Mal ins Ausland gegangen, das werde ich nie vergessen. Ich habe ein neues Niveau in der deutschen Sprache erreicht und neue, unglaubliche Erfahrungen gesammelt. Jetzt weiß ich wie Kulturamt funktioniert und wie man Texte für die Webseite schreibt. Ich bin der gesamten Freundschaftsgesellschaft und Frau Angelika Schmidt dafür sehr dankbar."

"Ich trete immer gerne mit den deutschen Zielgruppen in Kontakt und nichts wird sich in der Zukunft ändern. Ich bin sehr froh, dass wir heute solche Möglichkeit haben, einen freundschaftlichen Umgang miteinander zu haben und miteinander zu kommunizieren. Ich schätze die Beziehung zu den Menschen, die ich durch das Projekt kennengelernt habe. Es freut mich sehr, dass ich mit einigen meinen Mitstudenten aus der Hochschule in Kontakt bislang bleibe."

"Zweifellos, dass dieses Projekt ein Erfolgreiches ist. Die deutschen Menschen können jetzt über Krasnodar Stadt, die Orte, die sie besichtigen könnten, Kuban Kultur und Menschen mehr erfahren und ihre Fragen im Forum stellen. Aber was auch auffällig ist, dass nicht nur die Deutschen durch das Internetforum etwas Neues erfahren können. Die Menschen in Krasnodar interessieren sich auch für die Berichte über die Stadt. Die Schüler und die Studenten nutzen das Forum, sowohl um neue Information über Krasnodar zu bekommen als auch ihre Deutschkentnisse zu verbessern."

"Das Kulturforum Krasnodar-Karlsruhe ist für uns kein kurzfristiges Projekt. Ich bin der Meinung, dass das Internetforum für jeden von uns eine wunderschöne Gelegenheit ist, nicht nur über unsere Stadt Bescheid zu geben, sondern auch die Information über Karlsruhe und über die Beziehungen zwischen den Partnerstädten in Krasnodar allgemein bekannt zu machen.  Wir werden weiter die Berichte über Krasnodar schreiben und wir haben noch Ideen, die wir in der Zukunft verwirklichen wollten."

Martin Wiederkehr, Leiter des Hauptamtes in Karlsruhe, freute sich über dieses Geschenk, das die partnerschaftliche Beziehung der beiden Städte vertiefe und bereichere. Die Vize-Gouverneurin der Kuban-Region im Süden Russlands, Anna Minkova, regte auf der dortigen Abschlussveranstaltung am 27.11. an, aus den wohl zahlreich werdenden Texten einen Reiseführer zu gestalten, denn etwas Ähnliches gebe es nicht in der Region. Die Stadtverwaltung von Krasnodar und der deutsche Honorarkonsul Ralf Dieter Bendisch sehen in diesem Kulturforum einen wichtigen Beitrag für den Tourismus. Die Studentinnen haben schon Ideen zu diesem Folgeprojekt skiziert.

Zum Schluss der Veranstaltung in Karlsruhe präsentierten die sechs Studentinnen das Logo, das nun das Gesicht des Kulturformus der  Freundschaftsgesellschaft ist, eine gelungene Kombination aus den Wahrzeichen der beiden Partnerstädte: eine Pyramide als Wahrzeichen von Karlsruhe, darauf das E plus II für Ekaterina II., der Gründerin der Stadt Krasnodar.

 

© Text: Manfred Czychi, Vorsitzender der Freundschaftsgesellschaft Karlsruhe-Krasnodar e.V.
© Foto: Presse- und Informationsdienst Stadt Karlsruhe, Roland Fränkle
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