Kulturpartnerschaft zwischen Heilbad Badenweiler und Taganrog, Geburtsort Anton Tschehows

Der Anstoß zu dem über 100 Jahre alten Kulturkontakt des Heilbades Badenweiler mit Russland gab die weltweit erste Errichtung eines Denkmals im Kurort für den russischen Schriftsteller und Dramatiker Anton Tschechow im Jahr 1908, der vier Jahre zuvor hier seiner Tuberkuloseerkrankung erlegen war.

Noch elf Tage vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde im Kurort eine internationale Gedenkveranstaltung für Tschechow durchgeführt, sein Denkmal wurde im letzten Kriegsjahr eingeschmolzen. Von 1928-1932, den ersten Jahren der stalinistischen Repressionen, lebte der international bekannte Theaterreformator,  -theoretiker und Schauspieler, Konstantin Stanislawski, in Badenweiler, wurde von Tschechows ehemaligem Arzt betreut und lenkte von hier aus seine Moskauer Theater, darunter das berühmte „Künstlertheater“. Im „Dritten Reich“ unterblieb die Gedenkkultur für den als dekadent beurteilten Tschechow, doch bereits 1954, mitten im Kalten Krieg, wurde sie wieder aufgenommen. Badenweiler entwickelte sich dabei immer stärker zu einem Ort grenzüberschreitender Begegnungen mit Russland auf literarischen, künstlerischen und wissenschaftlichen Gebieten. Herausragend sind dabei die drei großen literaturwissenschaftlichen „Internationalen Tschechow-Symposien“ (1985, 1994, 2004, organisiert von der Uni Tübingen). Eine Folge des ersten Symposiums führte zur Wiedererrichtung eines neuen bronzenen Tschechow-Denkmals 1992, gestiftet von den Verehrern des Schriftstellers von der 12.000 km entfernten fernöstlichen ehemaligen zaristischen Sträflingsinsel Sachalin.
Eine weitere Folge war die Eröffnung des bisher einzigen Literaturmuseums Westeuropas im Jahr 1998, das den Namen Tschechows im Titel trägt („Tschechow-Salon“) und ihm bei der Präsentation Vorrang einräumt.

Damals entwickelten sich zudem die ersten Kontakte zu Tschechows Geburtsstadt Taganrog, woraus 2002 eine bis heute sehr aktiveKulturpartnerschaft mit Taganrog und dem Kulturministerium der Landeshauptstadt Rostow-am-Donerwuchs.

Seit 1999 dient das Literarische Museum Badenweiler „Tschechow-Salon“ zudem als Veranstaltungsplattform des „Internationalen Literaturforums Badenweiler“, das bisher weit über 300 Veranstaltungen durchgeführt hat, und über den Namen Tschechows eine Kulturbrücke zu vielen russischen Städten und Institutionen bildet, von Moskau über Jalta bis nach Sachalin. 2009 wurde, unter intensiver Beteiligung Taganrogs, die Deutsche Tschechow-Gesellschaft (DTG) gegründet, welche seither den Dialog mit Russland erweitert und vertieft.

2018 etwa wurde mit Beteiligung von über 10 russischen Museen, Theatern und Universitäten in Badenweiler unter dem Titel „Ein neues Theater braucht das Land!“ ein großes bilaterales und innovatives Ausstellungsprojekt zu Stanislawski und dessen badisch-russischem Netzwerk realisiert. Im November 2018 nahmen das Museum und die DTG zudem aktiv bei den „Deutschen Tagen in Taganrog“ teil, für 2019 werden die Kulturbegegnungen fortgeführt werden.

Text und Bilder: Heinz Setzer

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