Museumskooperation zwischen Gotha und Moskau

Die Geschichte des Herzoglichen Museums in Gotha, das im Jahr 1879 eingeweiht wurde, ist eng mit dem Puschkin Museum in Moskau verbunden. Die im Jahr 2005 gegründete Initiative „Deutsch-Russischer Museumsdialog“, die von der Kulturstiftung der Länder geleitet wird, verstärkt den gegenseitigen Austausch der Museumskollegen. Darüber hinaus versucht das Projekt das Schicksal der kriegsbedingt verloren gegangenen Kunstwerke auf russischer und deutscher Seite zu untersuchen. Bei der Wiedereröffnung des Herzoglichen Museums im Jahre 2013 hielt Irina Antonova, Präsidentin des Staatlichen Museums für Bildende Künste A. S. Puschkin, als Ehrengast eine Eröffnungsrede. Hier kam die Verbundenheit der beiden Museen, deren Kontakte sich seit 2010 intensiviert haben, und der Wunsch nach zukünftigen Kooperationen zum Ausdruck.

Hieran knüpft der Plan eines Austausches herausragender Sammlungsbestände an. Als ein besonderer Schwerpunkt der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha darf die Sammlung der altdeutschen Malerei mit den Gemälden von Lucas Cranach gelten. Es wurde der Plan gefasst, eine Auswahl dieser Werke in Moskau zu zeigen und umgekehrt französische Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts als Leihgabe nach Gotha zu senden. Hiervon besitzt das Puschkin Museum hervorragende Bestände. Beide Ausstellungen sollten die bereits bestehenden Kontakte zwischen den Häusern in Gotha und Moskau intensivieren und auf eine neue Ebene stellen. Dabei ergibt sich gleichzeitig die einmalige Gelegenheit die deutsch-russische Zusammenarbeit auf kultureller Ebene in der Öffentlichkeit bekannt zu machen.

2016 Cranach Ausstellung in Moskau

Mit der Ausstellung „Cranachs Familie zwischen Renaissance und Manierismus“ (3. März – 15. Mai 2016 im Puschkin Museum) folgte 2016 die erste Kooperation beider Museen. Es handelte sich dabei um die erste monographische Ausstellung zu diesem wichtigen deutschen Renaissancekünstler in Russland überhaupt, die es dem Besucher erlaubte, sich anhand von zentralen Arbeiten einen repräsentativen Überblick über die Kunst der Cranachs zu verschaffen. Mit weit über 200.000 Besuchern war die Moskauer Ausstellung ein enormer Erfolg. Es war das erste Mal, dass eine kriegsbedingt geteilte Kunstsammlung in einer Ausstellung wieder zusammengeführt wurde.

2017 Russlands Franzosen zu Gast in Gotha

Die Ausstellung „Das Puschkin-Museum Moskau zu Gast. Meisterwerke der französischen Kunst.“ (14. Mai – 13. August 2017, Herzogliches Museum) zeigte insgesamt 14 Arbeiten herausragender französischer Künstler. Die Ausstellung präsentierte ausgewählte Spitzenwerke der französischen Kunst, einem Kernbestand aus den Sammlungen des Puschkin Museums in Moskau, von denen ein großer Teil zuvor noch nie in Deutschland zu sehen war.

Da in Thüringen die französische Malerei der Zeit des Barock und Klassizismus als geschlossener Sammlungsbestand nicht vertreten ist, war die Ausstellung kunsthistorisch von äußerst hoher Bedeutung. Noch höher darf allerdings die symbolische und nicht zuletzt auch politische Bedeutung dieser Kooperation bewertet werden. Entsprechend stand das Projekt unter der Schirmherrschaft von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel, genauso wie seines russischen Amtskollegen Sergej W. Lawrow.

2018 Wissenschaftler Austausch und Ausblick

In diesem Jahr setzt sich die Kooperation auf wissenschaftlicher Ebene fort. Einzelnen Museumsmitarbeitern wird dabei ermöglicht im jeweils anderen Museum Einblick in die Sammlungsbestände zu erhalten und gemeinsame Forschungsfelder auszuloten. Dabei sollen auch zukünftige Ausstellungsprojekte entwickelt werden, die die Kooperation auch nach außen präsentieren, wie zum Beispiel der Bestand historischer Flugblätter oder der französischen Impressionisten. Es ist geplant diesen Austausch regelmäßig fortzusetzen.  

 

Text:  Dr. Timo Trümper