Der Verband Sonderpädagogik e.V. aus Würzburg engagiert sich in beim Aufbau inklusiver Strukturen in Pskow

Der Verband für Sonderpädagogik und seine russischen Partner unterstützen beim Aufbau inklusiver Strukturen und sonderpädagogischer Versorgung in Stadt und Region Pskow durch Weiterbildung und Qualifizierung von pädagogischem Personal. Musste dies bis 2016 aus eigenen Mitteln der Projektpartner betrieben und finanziert werden, konnte es dank der Projektmittel des Deutschen Auswärtigen Amts 2017 entscheidend ausgeweitet werden.

Mit der unterstützten Kommunikation konnte Ausbildung in einem für die Förderung geistig beeinträchtigter, nicht sprechender Kinder schon lange essentiell notwendigen Lernfeld realisiert werden: In den beiden zur Partnerschule gehörenden Internaten in Bobrovo und Belskoje Ustje befinden sich Kinder und Jugendliche, die durch angeborene oder erworbene Beeinträchtigungen entweder gar nicht oder nur eingeschränkt zur sprachlichen Kommunikation in der Lage sind. Der Elternrat der Schule hatte sich dringend dafür stark gemacht, für diese Kinder und Jugendlichen pädagogische oder therapeutische Maßnahmen zur Erweiterung basaler Verständigungsmöglichkeiten zu schaffen. Die deutschen Seite konnte Fachleute mit Erfahrungen in der Unterstützten Kommunikation im Zusammenspiel mit dem sogenannten „TEACCH-Ansatz“ verpflichten und ein Qualifizierungsprogramm für die Lehrpersonen des Internats durchführen. Gleichzeitig wurde die Idee verfolgt, das hierfür qualifizierte Personal in der Folge auch für den Einsatz als Experten und Multiplikatoren für andere einschlägige Institutionen der Region auszubilden. Diese Ziele wurden im Rahmen zweier Aufenthalte in den Internaten der russischen Schule und einer Hospitationswoche an einer deutschen Förderschule für Kinder mit schwersten Behinderungen in Deutschland (Friedrichshafen/Baden-Württemberg) realisiert. So konnten die grundlegenden Qualifizierungsmaßnahmen neben der Vermittlung der theoretischen Grundlagen auch die praktische Arbeit vor Ort mit Lehrern und Kindern gemeinsam umfassen. Dies war wichtig, um einerseits den gezielten Einsatz der technischen Materialien zu erproben, andererseits die klaren Strukturen des TEACCH-Ansatzes in der praktischen Anwendung zu erleben. In der Anwendung des Lernkonzepts ergaben sich bei den Kindern und Jugendlichen dank des Einsatzes der technischen Materialien wie „Sprechende Wände“, Talker, Buzzer usw. sehr schnell erste Erfolge in der Kommunikation: Kinder, die bis dahin keinerlei Möglichkeiten hatten sich verständlich zu machen, waren in der Lage, Wünsche zu äußern, Bedürfnisse anzumelden, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Bei den Lehrkräften entwickelte und festigte sich das Wissen, dass Sprache mehr ist als gesprochenes Wort, dass Sprache auch erfolgen kann als Kommunikation über Bilder und andere Hilfsmittel, vor allem aber auch über unterstützende Gebärden. Um die darauf aufbauende Moderatorenausbildung mehrerer Fachkräfte zu Multiplikatoren konnte dem Projekt die von Anfang an eingeplante Nachhaltigkeit verliehen werden.

Ein halbes Jahr nach Abschluss des Projekts kann festgehalten werden:

  • Überraschend viele der bis dahin nicht kommunizierenden Kinder sind mittlerweile in der Lage, sich zu verständigen, zwei von ihnen sogar inzwischen über normale Sprache.
  • Die Unterstützte Kommunikation ist fester Bestandteil des gesamten Unterrichts geworden.
  • Der TEACCH-Ansatz mit seinen klaren Strukturierungen wird von allen als hilfreich angenommen und durchgängig praktiziert.

Rückkopplung und Austausch zum Thema Unterstützte Kommunikation gehen auch über das Projektende hinaus weiter. Die anstehende Neubesetzung der Stelle der Internatsleitung begründet die Hoffnung, dass nach den Lehrkräften nun auch das Personal des Internats qualifiziert und in die Arbeit eingebunden werden kann, um so den schulischen mit dem außerschulischen Bereich verzahnen zu können – eine wichtige Bedingung, damit den Kindern und Jugendlichen durchgängig die erlernten Kommunikationsmöglichkeiten anwenden und festigen können.

Ansprechpartner: 

Verband Sonderpädagogik e. V.

Ohmstraße 7

97076 Würzburg

Maria Anna Schardt, Bundesgeschäftsführerin

+49 2404 919373

marianne.schardt@verband-sonderpaedagogik.de