Deutsch-russisches Austauschprogramm im Rettungsdienst: Johanniter empfangen Delegation aus Perm


Über die Kooperation

Die Johanniter-Akademie Niedersachsen/Bremen hat seit 1995 im Rahmen des Austauschprogramms „Leben retten – eine deutsch-russische Partnerschaft“ engen Kontakt nach Perm. Das Ziel des Projektes ist, den fachlichen Austausch von deutsch-russischen Nachwuchsrettern zu fördern. Die gegenseitigen Besuche ermöglichen einen Einblick in die landesspezifische Berufsausbildung und berufliche Praxis der Rettungsdienste. Gefördert und unterstützt wird das Austauschprogramm durch das Deutsche Auswärtige Amt.

 

Über Grenzen voneinander gelernt

Hannover. Eindrucksvolle Tage liegen hinter 13 Notärzten und Sanitätern aus dem fernen Perm in Russland. Sie waren vom 1. bis zum 8. Dezember zum Gegenbesuch in der Johanniter-Akademie Niedersachsen/Bremen geladen und durchliefen Workshops, Exkursionen und Seminare. Bereits im September waren sechs angehende Notfallsanitäter der Johanniter-Akademie in Hannover in die 3 500 Kilometer entfernte Uralregion gereist und erlebten dort den Alltag im Rettungsdienst.

„Wir haben unseren Gästen aus Russland ein vielseitiges Programm geboten“, sagt Kersten Enke, Leiter der Johanniter-Akademie Niedersachen/Bremen. Das heißt: Mitfahren auf dem Rettungswagen in den Johanniter-Rettungswachen Wunstorf, Langenhagen und Hannover-Wasserturm, Besuch der Luftrettungsstation an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und Besichtigung des Rettungshubschraubers Christoph 4 sowie eine kurze Reise nach Berlin mit Besuch der Berliner Charité und des Reichstags. Durch die Teilnahme an Praxisseminaren wie „Notfalltechniken“ und „Fallsimulationen“ haben die russischen Kollegen ihren Umgang mit medizinischem Material geschult, das in Deutschland im Rettungsdienst genutzt wird.

„Ein Highlight für die russischen Kollegen war die Simulationsübung mit einer 3D-Brille. Durch „Virtual Reality“ tauchten sie in eine fiktive Lernumgebung ein. Plötzlich fanden sie sich in einer ‚echten‘ Einsatzsituation wieder, etwa einem Massenanfall von Verletzten nach einer Explosion auf einem Fabrikgelände“, erklärt Kersten Enke. „Diese Technik setzten wir in der Ausbildung von Notfallsanitätern und auch von Führungskräften im Bevölkerungsschutz ein.“ Für Oleg Fedotkin, Direktor des Zentrums für Katastrophenmedizin der Region Perm, eine besondere Erfahrung: „Wir sind beeindruckt, wie fortschrittlich im deutschen Rettungswesen gearbeitet wird.“

Darüber hinaus gab es einen gemeinsamen Workshop zu Themen, die in beiden Ländern aktuell sind: Darunter der Missbrauch des Rettungsdienstes für Bagatellfälle, der demographische Wandel sowie die Gewalt gegenüber dem Rettungsdienst. „Unsere russischen Kollegen haben gute Erfahrungen im Einsatz mit Bodycams gemacht“, resümiert Kersten Enke.

Text und Bilder: Oliver S. Bruse, Johanniter-Medienservice