Hilfsprojekte der Aktionsgemeinschaft „Die Polizei hilft“ aus Ettlingen

Die Aktionsgemeinschaft „Die Polizei hilft“ e.V., 1994 hervorgegangen aus dem Ettlinger Polizeirevier, leistet materielle und moralische Hilfe für kranke und behinderte Kinder und Jugendliche auf der Grundlage von Patenschaften, für alte Menschen und Personen in einer besonderen Notlage in Gatschina, der russischen Partnerstadt von Ettlingen.

Im Kinderhilfsprogramm (seit 1999) erhalten aktuell 38 Kinder und Jugendliche aus bedürftigen Familien monatlich einen Geldbetrag auf der Grundlage von persönlichen Patenschaften. Einige der deutschen Familien pflegen auch den Kontakt zur russischen Familie (Vermittlung und Übersetzung der Briefe durch die AG). Seit vielen Jahren unterstützt die AG zwei Alten- und Pflegeheime. Mit dem Geld aus Ettlingen werden dringend notwendige Hilfsmittel angeschafft, um den Alltag der Heimgäste, aber auch des Pflegepersonals zu erleichtern. Die AG kooperiert mit einem Waisenhaus für geistig und sehr stark sehbehinderte Kinder und Jugendliche, die von ihren Eltern verstoßen wurden. Bereits neun Kinder haben Sehhilfen erhalten, die aufgrund der hohen Dioptrienzahl in Russland nicht oder nur zu astronomischen Preisen zu haben wären. Aktuell hier: Unterstützung beim Aufbau einer Werkstatt, in der behinderte Jugendliche und junge Erwachsene (z.B. mit Down-Syndrom), die im russischen System keine berufliche Förderung erhalten, einer regelmäßigen Beschäftigung nachgehen können. Die AG hilft auch Einzelpersonen, die ein schweres Schicksal haben. So hat z.B. ein Mädchen eine Unterarmprothese erhalten. Für andere Schwerbehinderte konnten Spezialrollstühle, Stützkorsette oder orthopädische Schuhe angeschafft werden.

Die Hilfsprojekte werden in enger Zusammenarbeit mit dem Sozialamt in Gatschina und einem Kinder-Rehazentrum durchgeführt, all dies eingebettet in die Städtepartnerschaft Ettlingen-Gatschina, zuvörderst vertreten in Gatschina durch die Russisch-deutsche Gesellschaft.

Behinderte und chronisch kranke Menschen haben in Russland keine Lobby in der Art, wie wir es in Deutschland gewöhnt sind. Mütter von behinderten Kindern fühlen sich oft alleingelassen. Mit der Entscheidung für das Kind riskiert die Mutter ein Leben am Existenzminimum, zumal sich Väter häufig aus der Verantwortung stehlen. Neben der materiellen Hilfe ist die moralische Unterstützung von herausragender Bedeutung. Das Interesse an ihrem Schicksal stärkt das Selbstvertrauen der leidgeprüften Familien, die Kommunikation mit der deutschen Patenfamilie lenkt den Blick weg von der eigenen Situation, überwindet Grenzen und schafft neue Perspektiven. Durch die Arbeit der Aktionsgemeinschaft bringt man Behinderten mehr Beachtung entgegen, inzwischen kommt es auch zu kooperativen Maßnahmen (finanzielle Beteiligung der russischen Seite). Aber auch die behinderten jungen Menschen selbst haben durch den langjährigen Kontakt zu den Deutschen an Selbstsicherheit gewonnen, zeigen sich und ihre Fähigkeiten bereitwilliger in der Öffentlichkeit. Auch die Unterstützung des Alten- und Pflegeheims leistet einen wichtigen Beitrag zur Versöhnung, sind doch hier bisweilen Menschen anzutreffen, die während der Leningrader Blockade im Kinder-KZ in Gatschina interniert waren. Übergeordnetes Ziel des Engagements von „Die Polizei hilft“ ist der Gedanke der Völkerverständigung. Über die humanitäre Hilfe hinausgehend persönliche Kontakte zwischen Deutschen und Russen herstellen, auf beiden Seiten ein Bewusstsein für den jeweils anderen schaffen, ein Gefühl dafür, dass das jeweils andere Land und seine Menschen mehr sind als das, was die Medien davon berichten - darin besteht das zivilgesellschaftliche Engagement von "Die Polizei hilft". Gerade in Zeiten politischer Verwerfungen und vor dem Hintergrund unserer gemeinsamen belasteten Geschichte betrachten wir die Pflege der deutsch-russischen Beziehungen als unseren besonderen Auftrag.

Quelle:  „Die Polizei hilft“ e.V