Projekt "Blauer Himmel"

Auf Initiative des BRK-Kreisverband Erlangen-Höchstadt entstand 1999 die Zusammenarbeit zwischen den Barmherzigen Brüdern in Gremsdorf und der Psychiatrie Nr. 1 in Wladimir. Der Zustand vor allem der Kinderabteilung in der 1000-Bettenanstalt war mehr als besorgniserregend. Es wurde daher kurzfristig ein Renovierungsprogramm gestartet, um den weiteren Verfall der Gebäude zu stoppen. Verschiedene Aktive aus Erlangen kamen dazu und boten ihre Hilfe an. Sehr schnell wurde klar, dass auch die Weiterentwicklung der therapeutischen Maßnahmen Ziel der Zusammenarbeit werden sollte, im Mittelpunkt ein Wissens- und Methodentransfer als Hilfe zur Selbsthilfe. Mit Deutschkursen in Kooperation mit dem Erlangen-Haus in Wladimir wurden Fachkräfte aus der Psychiatrie auf ein Praktikum in Deutschland vorbereitet. Bisher fanden mehr als 250 sechs- bis zwölfwöchige Hospitationen statt. Dadurch sind heute Musik-, Kunst-, Sport- und Beschäftigungstherapien fester Bestandteil im Tagesablauf der Wladimirer Kinderpsychiatrie.

Als konsequente Weiterentwicklung dieser Zusammenarbeit kam mit dem Kinderzentrum "Blauer Himmel" ab 2007 ein besonders ambitioniertes Vorhaben dazu. In naturnaher Umgebung sollte für Kinder mit psychischen und geistigen Behinderungen ein Zentrum für Natur- und Erlebnispädagogik entstehen. Hier können Kinder, herausgelöst aus ihrer normalen Heimumgebung, im Umgang mit der Natur ihre Persönlichkeit weiterentwickeln. Partner in diesem Projekt sind neben den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf die Psychiatrische Klinik Nr. 1 in Wladimir, das Gouvernement Wladimir sowie das Erlangen-Haus und die Stadt Erlangen. Ermöglicht wurde dieses Projekt aber erst durch die finanzielle Unterstützung durch die Aktion "Sternstunden" des Bayerischen Rundfunks. Entscheidend für das Projekt war schließlich die Beteiligung des Gouvernements Wladimir, dass die Kosten für einen großen Teil der Renovierungsarbeiten und für den späteren laufenden Betrieb zusagte.

Die Renovierungsarbeiten begannen im Frühjahr 2008, und bereits im Dezember des gleichen Jahres konnte mit einem Festakt das Zentrum für den Betrieb freigegeben werden. Mit dem Eintreffen erster Kinder startete eine neue und besonders interessante Phase. Methoden der Erlebnispädagogik kamen nach Wladimir. Dabei unterstützt die Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm mit ihrer sozialpädagogischen Fakultät das Projekt durch die Vermittlung von Praktika und durch Teilnahme an Fachkonferenzen, die inzwischen auch in Wladimir stattgefunden haben.

Inzwischen ist das Zentrum mehr als 8 Jahre in Betrieb. Kinder aus verschiedenen Kliniken, Waisenhäusern und anderen Einrichtungen der Region haben z.T. schon mehrfach an den jeweils zweiwöchigen Trainingsrunden in der naturnahen Umgebung am Ufer der Kljasma teilgenommen. Gäste aus Erlangen sind immer wieder Unterstützende dabei. So haben z.B. Erlanger Pfadfinder eine Reise nach Wladimir genutzt, um einen Wald-Erlebnispfad anzulegen. Der Lions Klub aus Erlangen beschaffte einen Kleinbus für die Transfers, und - von besonderer Bedeutung - die Universität Wladimir kooperiert mit dem "Blauen Himmel" in den Bereichen Psychologie und Pädagogik. Der Bayerische Rundfunk drehte eine vierzigminütige Reportage über das Projekt, das auch bereits Gegenstand von wissenschaftlichen Arbeiten wurde.

Der "Blaue Himmel" konnte so zu einer Keimzelle für einen anderen Umgang mit behinderten Kindern werden, ein Leuchtturm in einem Netzwerk sozialer Einrichtungen in Europa, wo ansonsten benachteiligte Menschen eine neue Perspektive bekommen.