Städtepartnerschaft Duisburg-Perm – Best Practice beim Aufbau von Strukturen für Menschen mit Behinderung

Seit 2007 besteht die Städtepartnerschaft zwischen Perm und Duisburg. Durch gezielte und intensive Netzwerkarbeit ist es seitdem gelungen, vor allem Bürgerinnen und Bürger beider Städte mit ihren Vereinen, Verbänden, Initiativen, NGOs und Institutionen aktiv und nachhaltig in die Städtepartnerschaftsarbeit einzubinden.

Seit sechs Jahren engagiert sich die Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) in Perm. Durch Austausch, Bereitstellung von Informationen und durch langjährige Erfahrung der WfbM Duisburg soll der Aufbau von Projekten und Strukturen für Menschen mit Behinderung unterstützt und gleichzeitig die Toleranz innerhalb der Gesellschaft und das bürgerschaftliche Engagement gestärkt werden. In diesem Zusammenhang wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Multiplikatoren-Workshops durchgeführt, Vorträge in den verschiedenen Universitäten und Hochschulen gehalten, themenbezogene Vorträge und Informationsveranstaltungen bei der Stadtverwaltung sowie Arbeitsgespräche mit dem Sozialministerium des Permskij Kraj durchgeführt.

Initiiert durch eine NGO, ergaben sich 2012 erstmals Kontakte zu Behindertenverbänden und Behindertenselbstorganisationen. Während einer der letzten Pilorama-Veranstaltungen im Gulag-Museum Perm 36, hatte Duisburg die Gelegenheit, anhand von Best-Practice-Beispielen und dem innovativen Konzept der Werkstatt für Menschen mit Behinderung gGmbH sowie der LebensRäume für Menschen in Duisburg gGmbH darzustellen, wie Behindertenarbeit und gelebte Inklusion im Rahmen der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention stattfindet. Das langfristige Ziel besteht in der Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten und Wohnraum für Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung – weg von den Großeinrichtungen und hin zu kleineren Einheiten wie Werkstätten. Individuelle Förderung des Einzelnen und Teamarbeit stehen dabei im Vordergrund. Durch ein nachhaltiges, innovatives Konzept, sollen Strukturen für ein selbstbestimmtes Leben bei Menschen mit Behinderung geschaffen werden. Diesem Ziel ist Duisburg in Perm inzwischen ein gewaltiges Stück näher gekommen.

Neben anderen Aktivitäten sind mittelfristig die Einrichtung einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung, einer Ladengalerie sowie die Schaffung von betreutem Wohnraum in kleinen Einheiten zu nennen -  analog dem Duisburger Konzept der beiden inklusiven Restaurants „Der kleine Prinz“ und „Ziegenpeter am Rheinpark“ sowie der Ladengalerie „Ars Vivendi“ und der „LebensRäume“. Gegenseitige Fachbesuche sowie der Multiplikatorenaustausch erfolgen regelmäßig. In die Aktivitäten sind Berufskollegs und Fachschulen einbezogen, vor allem aber der für die Ausbildung von Sozialarbeitern zuständige Fachbereich der Pädagogischen Hochschule. So soll die aktuelle Situation von Menschen mit Behinderung erfasst, dargestellt und, gemeinsam mit dem Gesundheits- und Sozialministerium der Region und der Abteilung für Bildung der Stadt Perm, die Grundlage für eine Anpassung des Gesamtkonzeptes an die örtlichen Gegebenheiten geschaffen und für die Zukunft sichergestellt werden.

Diese Form sozialen Engagements zur Implementierung von Strukturen für ein selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderung im Rahmen städtepartnerschaftlicher Aktivitäten ist bisher einmalig für die Ural-Region und besitzt das Potenzial, sich zu einem Pilotprojekt für die Russische Föderation und darüber hinaus zu entwickeln. Auch die „Sojuz Rossijskich Gorodov“ ist aufmerksam geworden – Einladungen zu Fachvorträgen, u.a. zum Thema Social Entrepreneurship, konnten in Moskau und Bishkek wahrgenommen werden. Eine kleine Werkstatt wurde im Permskij Kraj auf den Weg gebracht, und - als konkretes Ergebnis der Zusammenarbeit - ist die russische NKO Ars Vivendi gegründet worden. Sie wird die Eröffnung einer ersten Werkstatt für Menschen mit Behinderung in der Partnerstadt Perm vorantreiben – ein Pilotprojekt nach Duisburger Vorbild, mit Unterstützung der WfbM Duisburg, das auf großes Interesse in Politik und Öffentlichkeit stößt. Inzwischen gibt es ein Gebäude in Perm, welches derzeit instand gesetzt wird. Einige Eindrücke der Renovierungsparty unter Beteiligung prominenter Gäste aus Rat und Verwaltung der Stadt Perm und des Permskij Kraj sind beigefügt.

Bemerkenswert ist, dass sich hier viele Freiwillige gefunden haben, die dieses Projekt aktiv mitgestalten wollen – sei es auch nur durch Anstreicher- oder Renovierungsarbeiten. Das Thema scheint in der Stadtgesellschaft angekommen. Damit kommt die Zusammenarbeit (aufbauend auf dem theoretischen Hintergrund) zu einem ganz praktisches Ergebnis: Eine Sensibilisierung der jungen Generation für die Belange von Menschen mit Behinderung. In der Öffentlichkeit kann sich die Akzeptanz von Menschen mit Behinderung positiv verändern, was bereits jetzt spürbar ist. Erstmals waren in diesem Jahr beim Festumzug zum Nationalfeiertag erkennbar Rollstuhlfahrer (auch mit geistiger) Behinderung mit großem Enthusiasmus dabei. Dadurch wird die Umsetzung der UN Behindertenrechtskonvention vorangetrieben. Vorträge an Bildungseinrichtungen leisten einen hohen Beitrag, insbesondere junge Menschen für soziale Fragestellungen zu sensibilisieren und zugleich den Toleranzgedanken zu fördern. Durch das Angebot von Hospitationspraktika in Betriebsstellen der Duisburger Werkstatt erhalten einzelne junge Menschen die Möglichkeit „eines Blicks hinter die Kulissen“ - Bürgerdiplomatie und zivilgesellschaftliche Ebene werden gefördert.

 

Ansprechpartner:

Heike Maus
Stadt Duisburg - City of Duisburg/Germany
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Team: Repräsentation und Internationale Beziehungen / Protocol and International Relations

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