Seminar für die russischen Nachwuchskräfte im kommunalen Bereich

Im Rahmen der XV. Deutsch-Russischen Städtepartnerkonferenz in Düren, die unter dem Motto „Verständigungswege: Partnerschaften als Bindeglied im deutsch-russischen Dialog“ stattfand, unterschrieben Vertreter des Instituts für Kommunalentwicklung Krasnojarsk, der Kommunalakademie Rheinland-Pfalz, der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Deutsch-Russischen Forums e.V. ein Kooperationsabkommen. Dieses soll die Zusammenarbeit auf kommunaler und regionaler Ebene und den Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse zwischen den beiden Regionen stärken. Internationaler Erfahrungsaustausch über regionale Stadtverwaltung, beispielsweise auf dem Gebiet des Gemeindemanagements, ist für deutsch-russische kommunale Zusammenarbeit ein großes Thema. Alexei Menschikov, Direktor des Instituts für Kommunalentwicklung Krasnojarsk, kommentierte das Abkommen voller Zuversicht: "Wie der große chinesische Philosoph Lao Tzu sagte, beginnt die Reise von tausend Meilen mit dem ersten Schritt. Wir glauben, dass die Unterzeichnung des Abkommens der erste und wichtigste Schritt ist, der die Qualität der staatlichen Gemeindeverwaltung verbessern wird".

Vom 01. bis zum 05. Juli fand schon das erste von den Vertragspartnern organisierte Seminar in Deutschland statt. Am Ausbildungsprogramms für Führungskräfte, nahm eine Delegation der „Governor's Management Reserve“ (Nachwuchskräfte im Bereich der kommunalen Verwaltung) aus der Region Krasnojarsk teil. Teilnehmer waren Vertreter der staatlichen und kommunalen Verwaltung des Krasnojarsker Territoriums, sowie von Haushaltsinstitutionen, gemeinnützigen Organisationen und Unternehmen.

Das Seminarprogramm umfasste Veranstaltungen und Diskussionen mit Vertretern der deutschen Landes- und Gemeindeverwaltung. Diskutiert wurden eine Vielzahl von Fragen zu territorialer Entwicklung und eine Verbesserung der Lebensqualität für die Bürger beider Länder. In Trier, Konz, Boppard und Mainz lernten die Teilnehmer die praktische Einbindung der Bürger in die Lösung lokaler Probleme, die Informationsarbeit mit den Bürgern und die Arbeit von Multifunktionszentren in Gemeinden kennen. Über nachhaltige Wald- und Abfallbewirtschaftung, Bildung eines neuen Steuersystems und die politische Kommunikation zwischen Deutschland und Russland wurde sich ebenfalls ausgetauscht.

Die rheinland-pfälzischen Gemeinden erwiesen sich in vielen Bereichen als ein besonders geeigneter Ort. Ihre positiven Erfahrungen mit der Bürgerbeteiligung bei lokal bedeutsamen Fragen, Informationsarbeit mit den Bürgern, das Abfallbewirtschaftungssystem, Effizienz bei landwirtschaftlicher Produktion und umfangreiche Beispiele der Waldbewirtschaftung boten eine gleichermaßen interessante wie nützliche Austauschplattform für die Seminarteilnehmer.

Mit einem Besuch im Abfallwirtschafts- und Entsorgungszentrum Trier begann die Bekanntmachung mit dem regionalen Abfallwirtschaftssystem. Anschließend trafen sich die Teilnehmer mit dem stellvertretenden Leiter der Abfallverarbeitungsgewerkschaft der Region Trier, Sebastian Loring.

In Konz wurden die Teilnehmenden vom Bürgermeister Joachim Weber begrüßt und besuchten das MFC der Stadtgemeinde, wo sie die Mechanismen eines Zentrums innerhalb eines Stadtbezirks kennenlernten.

Das Treffen mit dem deutschen Botschafter in Luxemburg, Heinrich Kreft, bei dem die Kommunikation zwischen Russland und Deutschland ausführlich besprochen wurde war ebenfalls ein großer Erfolg.

Zudem besuchten die Seminarteilnehmer das Forstamt Boppard, um sich mit der Praxis nachhaltiger Forstwirtschaft in Deutschland vertraut zu machen und darüber zu diskutieren. Primär wurde besprochen, wie effiziente Holzproduktion neben dem Erhalt von bestehenden Ökosystemen, Artenvielfalt und dem sozialen Wert der Wälder vereinbar ist. Im Fokus stand das Zusammenspiel von staatlicher, kommunaler und privater Forstwirtschaft mit den Gemeinden.

Insgesamt gingen, neben den zahlreichen neugeschlossenen Freundschaften, alle Beteiligten mit mehr Wissen und Verständnis für und über die jeweilige Gegenseite aus dem Seminar heraus.

.Autorin:
Helena Lambsdorff