Wladimir-Erlangen gibt Erfahrungen weiter an Rothenburg-Susdal

Seit 1983 besteht nun schon die Partnerschaft zwischen den Städten Erlangen und Wladimir. Ein paar Jahre später, 1988 haben sich Rothenburg ob der Taube und Susdal ebenfalls dazu entschlossen eine innige Freundschaft miteinander einzugehen. Nun hatte der Partnerschaftsbeauftragte Erlangens, Peter Steger die Idee gehabt eine Verbindung zu allen vier Städten zu schaffen, die nicht unweit voneinander liegen. Dafür rief er bei Erwin Bauer, dem Partnerschaftsbeauftragten Rothenburgs an, um eine Reise nach Russland zu arrangieren, die eine Zusammenarbeit im Kultur-, Wirtschafts-, aber auch Tourismusbereich stärken soll. 

Dazu hat Erwin Bauer auf der Homepage von Erlangen-Wladimir einen Beitrag veröffentlicht:

Peter Steger hat es wieder einmal geschafft. Er hat eine Idee, gibt diese weiter, und daraus wird dann ein ganzes Projekt. Der Reihe nach.

Im Herbst 2018 rief mir der Partnerschaftsbeauftragte der Stadt Erlangen einen Namen zu. Diese Person sollte ich unbedingt kennenlernen. Erlangen hat mit Universität, Medizin und Kultur genügend Schwerpunkte, die die Städtepartnerschaft mit Wladimir beflügeln. Tourismus und Gastronomie passen wiederum sehr gut zu Rothenburg ob der Tauber. Deswegen der Zuruf an mich. Von Beruf Vermögensverwalter und aktiv im Partnerschaftsverein, bilden gute Voraussetzungen, um ein Wirtschaftsthema aufzugreifen. Gesagt getan. Im Januar dieses Jahres lernte ich auf einer meiner Rußlandfahrten den Leiter der Wladimirer Hotelfachschule, Fjodor Lawrow. kennen, in Erlangen auch wegen seines Fußballtalentens bereits bestens bekannt. Nach einer Führung durch die Schule und einer Erklärung der Aufgabenstellung dieser Weiterbildungseinrichtung war mir klar, was dort gemacht wird. Zu Hause, in heimatlichen Gefilden, nahm ich Kontakt zum örtlichen Hotel- und Gaststättenverband auf. Dort wurde mir eindrücklich aufgezeigt, welch massiver Personalmangel in dieser Branche herrscht. Restaurants schließen zwei oder drei Tage in der Woche, weil sie keine Servicekräfte haben. Manche Hotels können nicht alle Zimmer vermieten, weil das Housekeeping fehlt.

Erfreulich war, daß von Juli bis September daraufhin zwei Hospitantinnen aus Wladimir ihre Auslandserfahrungen in Rothenburg sammelten. Dies hatte sehr gut funktioniert. Die Hoteliersfamilie war sehr beeindruckt von Genauigkeit, Pünktlichkeit, Freundlichkeit und Engagement seitens der beiden 18- und 20jährigen Mädels. Und bei den zwei jungen Damen gab es beim Abschied sogar Tränen. Sie fühlten sich in der familiären Atmosphäre sehr wohl.

Nach dem ersten Erfolgserlebnis soll dies nun ausgebaut werden. Das Projekt verzeichnet eine Win-Win-Situation. Die russischen Gäste können in ihrer Vita auch einen beruflichen Auslandsaufenthalt nachweisen. Bei den deutschen Gastronomen kann die Personalsituation temporär entlastet werden.

Deshalb war ich jetzt Ende November wieder in Wladimir. Ich hielt vor versammelter Mannschaft von 170 Studenten einen Werbevortrag für Rothenburg. Mit einem selbstproduzierten Musikvideo mit russischer Musik über Rothenburg konnte ich gleich die volle Aufmerksamkeit der jungen Leute erzeugen. Die persönlichen Einladungen von den Hotelmanagern verstärkten noch einmal den Eindruck, daß die Hospitanten wirklich sehr gut in Rothenburg aufgenommen werden. Nach meinem Vortrag kamen denn auch spontan drei Jugendliche auf mich zu und fragten mich, was sie konkret tun müßten, um nach Rothenburg zu kommen.

Am Tag darauf hielt ich den gleichen Vortrag noch einmal in der Susdaler Berufsfachschule vor gut 70 jungen Leuten aus dem Tourismus- und Hotelbereich. Auch dort meldeten sich spontan mehrere Personen, die Interesse an einem Arbeitsaufenthalt in Rothenburg zeigten.

Natürlich muß noch einiges abgeklärt werden. Zustimmung der Eltern und der Schule, Visum beantragen und Flugtickets kaufen. Es wird also wirklich spannend, wieviel Russen letztendlich kommen werden. Die gesamte Rothenburger Gastronomie hat inzwischen Interesse an einer konstruktiven Zusammenarbeit angekündigt.

Auch im Teilbereich Wirtschaft kann die Städtepartnerschaft weiter wachsen. Für beide Seiten wäre es von Vorteil. Peter Steger hat den Stein ins Wasser geworfen und ich setze das Projekt um.

Text und Bilder: Erwin Bauer

Weitere Informationen können Sie auf der Homepage der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir nachlesen.