Deutsch-Russische Partnerschaft des Rems-Murr-Kreises

Als einer der größten Landkreise Deutschlands mit über 420.000 Einwohnern pflegt der Rems-Murr-Kreis seit mehr als einem Vierteljahrhundert enge freundschaftliche Beziehungen mit dem Rayon Dmitrow. Entstanden ist die Partnerschaft nach dem Fall des "Eisernen Vorhangs". Der Rems-Murr-Kreis wollte die Politik des damaligen russischen Präsidenten Gorbatschow mit Glasnost und Perestroika sowie den Aussöhnungsprozess mit Russland unterstützen und suchte bereits 1989 einen Partnerkreis in der Nähe Moskaus. Als dieser Mitte 1990 mit dem Rayon Dmitrow gefunden war, initiierte der damalige Landrat Horst Lässing im Hinblick auf die wirtschaftliche Notlage der Bevölkerung im Winter 1990/91 eine große Spendenaktion, in deren Zuge Lebensmittel, Bekleidung, Medikamente und andere humanitäre Hilfe im Gesamtwert von 400.000 DM nach Dmitrow gebracht wurden. Im Sommer 1991 wurde die Partnerschaft offiziell besiegelt.

Weil die Förderung der im Entstehen begriffenen privaten Landwirtschaft in Russland als eines der dringlichsten Ziele der Partnerschaft angesehen wurde, wurde dieses Projekt im Partnerschaftsvertrag an erster Stelle der geplanten Zusammenarbeit aufgeführt. Von Anfang an wurde der Kreisbauernverband Rems-Murr e. V. in die Planung dieses Projektes mit einbezogen.

Seit Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde im Juli 1991 haben sich die Beziehungen zwischen dem Rems-Murr-Kreis und dem Rayon Dmitrow auf vielfältige Weise weiterentwickelt.

Besonders hervorzuheben sind die humanitären Hilfstransporte, mit denen zum Beispiel Krankenhäuser und Kinderheime unterstützt wurden. Aber auch kinderreichen Familien und alten Menschen wurde gezielt geholfen. Daneben wurden die Beruflichen Schulen mit gebrauchten Maschinen der Gewerblichen Schule in Waiblingen gefördert.

Mit dem Rayon Dmitrow wird kontinuierlich eine lebendige und offene Partnerschaft gelebt. Neben dem Austausch zahlreicher Gruppen und Schulen finden im jährlichen Wechsel Besuche der Kreispolitik abwechselnd im Rayon Dmitrow und im Rems-Murr-Kreis statt. Hierbei sind beide Seiten offen für neue Ideen und neue Bereiche, in denen man zusammenarbeiten kann. Aktuell stehen zwei Bereiche im Fokus, die sich im russischen Partnerlandkreis neu entwickeln: Fahrrad-Mobilität und Tourismus. Beim letzten Treffen im April 2018 im Rayon Dmitrow wurde vereinbart, sich unter anderem verstärkt in Sachen „Rad-Mobilität“ auszutauschen. Im besonderen Fokus steht seit jeher auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit und der Austausch der Industrie- und Handelskammern. Landrat Dr. Richard Sigel und der IHK-Präsident und Landtagsabgeordnete Claus Paal haben sich daher mit Redebeiträgen an einem hochkarätig besetzten kommunalen Wirtschaftsforum beteiligt, das 2015 in Dmitrow stattfand.

Dem Rems-Murr-Kreis war und ist es gerade in jüngster Zeit besonders wichtig, die Beziehungen zu Russland nicht zu vernachlässigen, sondern im Gegenteil, den Austausch auf unterschiedlichsten Ebenen zu fördern und auszubauen. So konnte beispielsweise die Stiftung der Kreissparkasse vom Rems-Murr-Kreis dafür gewonnen werden, der Inklusionsband „Groove Inclusion“ die Reise und Teilnahme am „1. Weltkongress für Menschen mit Behinderung“ im September 2017 in Jekaterinburg zu ermöglichen. Begleitet wurde die Band von einer Delegation aus dem Rems-Murr-Kreis.

Ebenso wurde im April 2018 ein Austausch mit Studentinnen aus Moskau vom Rems-Murr-Kreis unterstützt. Bereits seit 25 Jahren werden russische Studenten/innen der staatlichen Landesuniversität Moskau vom Limes-Gymnasium Welzheim eingeladen, um Kultur, Sprache, Land und Leute und das deutsche Ausbildungssystem kennenzulernen sowie den eigenen Schülern/innen und Gastfamilien einen Austausch zu ermöglichen. Auch in anderen Schulen des Rems-Murr-Kreises werden die russischen Freundschaften gepflegt und es finden seit Jahren Schüleraustausche statt. So unterhalten zum Beispiel das Burggymnasium in Schorndorf, die Grafenbergschule in Schorndorf sowie die Kunstschule Waiblingen lebendige Partnerschaften nach Dmitrow.

Jüngst hat der Rems-Murr-Kreis ein neues, innovatives Projekt initiiert: Azubi-Abroad. Hierbei wird es den Auszubildenden der Kreisverwaltung ermöglicht, den Beginn der einjährigen Übernahmegarantie zu verschieben, um während dieser Zeit andere Betriebe im In- und Ausland kennenzulernen. Dabei werden die Azubis finanziell unterstützt. Der Wunsch des Rems-Murr-Kreises ist es, den Austausch in die Partnerkreise mit Azubi-Abroad auch auf dieser Ebene zu fördern und zu unterstützen.

Bei den Austauschprojekten des Rems-Murr-Kreises steht nicht die „große Politik“ im Vordergrund, sondern das Verbindende, die menschliche Begegnung und der persönliche Austausch. So können Vorurteile auf beiden Seiten abgebaut und ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den Nationen gefördert werden.

Ziel unserer Partnerschaft mit dem Rayon Dmitrow und den weiteren freundschaftlichen Beziehungen mit Russland ist es, Impulsgeber und Netzwerkpartner zu sein sowie mehr als eine routinemäßige Partnerschaft zu pflegen. Viele der freundschaftlichen Beziehungen sind lange gewachsen und wachsen stetig weiter. So sehen wir die Völkerverständigung als einen Beitrag zur Friedenssicherung, mit der sich auch in politisch schwierigen Zeiten Brücken schlagen lassen.

 

 

 

Ansprechpartner:

 

Frau Christina Berghoff, Landratsamt Rems-Murr-Kreis

Tel.: 07151 501-1112

E-Mail: c.berghoff(at)rems-murr-kreis.de