Erlangen gedenkt zum 75. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs

Die Städte Erlangen und Wladimir pflegen nun bereits seit 1983 eine lebhafte Städtepartnerschaft. Anlässlich des 75. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs sollte eine fünfzehnköpfige Delegation mit Oberbürgermeister Florian Janik nach Wladimir reisen,um dort auf dem Platz des Sieges eine Rede zu halten. Aufgrund der Corona-Pandemie musste diese Reise jedoch abgesagt werden. Stattdessen legte das Stadtoberhaupt am 8. Mai an den sogenannten Russengräbern auf dem Zentralfriedhof einen Kranz nieder und wandte sich mit folgenden Worten an die Partnerstadt:

Liebe Freundinnen und Freunde in Wladimir,

vor fünf Jahren durfte ich auf dem Platz des Sieges zu Ihnen sprechen. Heute, am 75. Jahrestag des Kriegsendes, wende ich mich aus Erlangen an Sie alle. Auch wenn die Corona-Krise uns gegenwärtig trennt, eint uns doch in dieser Zeit die gemeinsame dankbare Erinnerung an den Sieg über den Nationalsozialismus. Dieser Kampf gegen eine menschenverachtende Ideologie forderte besonders aufseiten der Sowjetunion einen unermesslichen Blutzoll. Kein anderes Land hatte unter dem Vernichtungsfeldzug der Wehrmacht mehr zu leiden als die UdSSR, kein Staat trug mehr zur totalen Niederlage des Deutschen Reiches bei. Und ungeachtet der schrecklichen Kriegsfolgen leistet auch niemand einen größeren Beitrag als die Russen zur friedlichen Wiedervereinigung Deutschlands vor 30 Jahren.

Ich betrachte es deshalb als ein Wunder der Geschichte, dass wir diese Bürgerpartnerschaft pflegen dürfen, die bereits 1983, noch zu Zeiten des Kalten Krieges, von weisen Menschen hier wie dort begründet wurde. Ich bin darum dankbar für die zum Frieden und zur Verständigung ausgestreckte Hand, die wir gern ergreifen. Und ich freue mich, hoffentlich schon bald wieder in Ihre wunderschöne Stadt kommen zu können.

Ich lege heute diesen Kranz an den Gräbern nieder, wo die sterblichen Überreste von 271 russischen Soldaten ruhen, die in der Folge des 1. Weltkriegs in Erlangen verstarben. Ich tue dies in ehrender Erinnerung an die vielen Kriegsveteranen aus Wladimir, die bereits an dieser Gedenkstätte standen. Ihnen allen, die den Krieg besiegt und den Frieden geschaffen haben, gilt nicht nur heute meine besondere Verehrung. Ihnen möchte ich an diesem Tag mit dieser Geste danke sagen für die Befreiung vom Nationalsozialismus und danke für 75 Jahre Frieden zwischen unseren Völkern. Unsere Verpflichtung ist es nun, diesen Frieden zu bewahren.

Ich gratuliere Ihnen zum Tag des Sieges und wünsche Ihnen alles Gute zum Fest des Friedens und des Guten.

Das vollständige Video zur Rede während der Kranzniederlegung finden Sie hier.

Den ganzen Beitrag finden Sie hier.

Tag des Sieges im Zeichen von Corona

Der Gedenktag zum 75. jährigen Kriegsende verlief durch die Corona-Pandemie anders als geplant. Statt Großveranstaltungen haben die Einwohner zu Hause an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren gedacht. Nur Oberstadtdirektor Andrej Schochin, Weltkriegsveteran Nikolaj Schtschelkonogow und Oberbürgermeisterin Olga Dejewa von Wladimir (siehe Bild) haben zusammen auf dem Platz des Sieges gestanden und dem Tag des Sieges gedacht. Lesen Sie den kompletten Bericht dazu hier.

 

Die Friedensvioline spielt für Wladimir

Anfang Dezember präsentierte Alfred Binner beim gVe-Konzert „Die Rettung der Welt“ mit Igudesman & Joo in der Heinrich-Lades-Halle erstmals sein Projekt unter dem Motto von Claudio Abbado „Die Musik zeigt uns, daß Hören grundsätzlich wichtiger ist als Sagen“. Die Idee dahinter: Zur Gedenkfeier „75 Jahre Befreiung vom Nationalsozialismus“ der Partnerstädte Erlangen und Wladimir suchte der Geigenbaumeister aus Großenseebach einen Sponsor für die „Friedensvioline“, die er als Zeichen der engen deutsch-russischen Verbundenheit einem jungen förderungswürdigen Talent als Leihgabe überreichen will. Im Mai sollte diese Geste der Verständigung Wirklichkeit werde.
Durch die Corona-Pandemie konnte die von Alfred Binner gebaute und von Olaf Kühne erworbene Friedensvioline zusammen mit dem von Familie Eva Lohse und ihr Mann, Matthias Schmid, sowie den Eltern, Gertraud und Gerhard Lohse, gespendeten Bogen an ein Nachwuchstalent in Wladimir nicht persönlich übergeben werden.
Aber eine gute Idee läßt sich nicht so einfach aus der Welt schaffen, vielmehr findet sie zu ihrer Verwirklichung in der Regel einen nicht minder guten Ersatz. Und hier kommt nun buchstäblich die Familie Dorian Keilhack ins Spiel. Die Eltern des Pianisten und Dirigenten, Vivienne und Dirk, hatten bereits 1986 mit einem Doppelkonzert am Klavier in Wladimir das Publikum begeistert, und ihr Sohn trat schon drei Jahre später selbst zum ersten Mal in der Partnerstadt auf. Im März 2018 dann in Erlangen das umjubelte Konzert der Camerata Franconia unter Leitung von Dorian Keilhack mit drei Musikern aus Wladimir zum 35jährigen Partnerschaftsjubiläum, um nur die wichtigsten musikalischen Wegmarken zu nennen. Dorian Keilhack ließ sich denn auch nicht lange bitten, seine vielfach ausgezeichnete Tochter Alma am Klavier zu begleiten, um die Friedensvioline zum heutigen Tag des Kriegsendes erklingen zu lassen und das Instrument stellvertretend für ein Nachwuchstalent an der Berufsfachschule für Musik in Wladimir entgegenzunehmen – bis eines Tages die tatsächliche Übergabe vor Ort nachgeholt werden kann.

Den vollständigen Bericht zur Friedensvioline sowie weiterführende Artikel finden Sie hier.
Das Video mit der Erklärung des Mäzens, Olaf Kühne und dem gemeinsamen Konzert von Dorian und Alma Keilhack finden Sie hier.

Foto: (von oben nach unten) Friedensvioline, Dorian und Alma Keilhack

 

25 Jahre Erlangen-Haus in Wladimir

Am 7. Mai vor 25 Jahren, am Vorabend zum 50. Jahrestag des Sieges über den Nationalsozialismus, eröffneten die beiden Oberbürgermeister, Dietmar Hahlweg und Igor Schamow, das Erlangen-Haus in Wladimir als Botschaft der Bürgerpartnerschaft, der Volksdiplomatie und der Verständigung zwischen Deutschen und Russen. Nach zweieinhalbjähriger Bau- und Sanierungsarbeit einer deutsch-russischen Brigade unter Leitung von Kira Limonowa und Helmut Eichler und einer heute wohl so kaum mehr möglichen Spendenaktion gelang es, am 7. Mai 1995 das einstige Kaufmannshaus, mittlerweile schon fast abrißreif, als Begegnungsstätte einzuweihen, die schon sechs Jahre später vom damaligen Bundespräsidenten, Johannes Rau, mit dem „1. Preis für bürgerschaftliches Engagement in Rußland“ ausgezeichnet wurde. In der Zwischenzeit hatte das Team – zunächst unter Leitung von Tatjana Garischina, später von Jelena Jewtuchina-Tschilimowa und schließlich von Irina Chasowa – mit Hilfe der Volkshochschule Erlangen, namentlich Klaus Wrobel und Reinhard Beer, neben dem Gästetrakt die Deutschkurse in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Moskau derart erfolgreich aufgebaut, daß man ein eigenes, zertifiziertes Sprachlernzentrum etablieren konnte, das jedes Audit mit Bestnoten besteht und als erste Adresse für alle Lernwilligen gilt.

Während der Delegationsreise nach Wladimir sollte das Projekt gefeiert und gewürdigt werden, was aufgrund der Corona-Pandemie nun nicht möglich war. Dennoch steht die Partnerschaft deshlab nicht still. Immerhin gibt es ja das Internet mit den Sozialen Netzwerken, den Blog und neuerdings auch Zoom, ein Medium, das auf Initiative von Tatjana Kirssanowa, der Leiterin der Deutschkurse, dieser Tage erstmals genutzt wurde, um aktuelle Fragen mit den Freunden in Erlangen zu besprechen. Sicher nicht zum letzten Mal. Es wurden kleine Videobotschaften aufgenommen, um die Verbundenheit trotz Krise zu signalisieren. Dies alles kann natürlich das geplante Gartenfest im Erlangen-Haus nicht ersetzen, kann nur ein kleiner Trost für die ausgefallenen persönlichen Begegnungen sein, kann lediglich als Versprechen verstanden werden, das Treffen sobald als möglich nachzuholen, denn, wie Dietmar Hahlweg in seinem Grußwort sagt: „Wir brauchen das Erlangen-Haus gerade heute mehr denn je!“

Lesen Sie den kompletten Bericht dazu hier.

 

Davon,wie wichtig es ist, wieder nach Wladimir zu reisen

Zum 50 Jahrestag des Kriegsendes 1995, vor 25 Jahren, wurde als Zeichen des Friedens und der Verständigung in Wladimir das Erlangen-Haus eröffnet. Anlässlich dieses Jubiläums nimmt der Erlangen-Wladimir Blog Sie auf eine Zeitreise zum 9.Mai 1995 mit und zeigt von welcher Aktualität die damaligen Aufnahmen sind.


Mit den Gedanken noch immer im Krieg

Im August vergangenen Jahres besuchte Wiktoria Kossenjuk vom Sender „Belarus 1“ aus Minsk mit ihrem Team Erlangen, um ein Interview mit dem Weltkriegsveteranen Wolfgang Morell zu führen. Im Anschluss fuhren die Gäste noch nach Gera, um mit dem mittlerweile verstorbenen Günter Kuhne zu sprechen, der ebenfalls einen Teil seiner Kriegsgefangenschaft in Wladimir verbracht hatte. Nun wurde die fast einstündige Reportage im Rahmen des Projekts „Ich ВОЙНА“ – „Ich bin der KRIEG“ am 10. Mai erstausgestrahlt und gestern im Internet vorgestellt.

Weitere Links zu Dokumentationen mit Kriegsveteranen, die im Rahmen der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir entstanden sind finden Sie hier.

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© Text und Fotos: Peter Steger, Partnerschaftsbeauftragter der Stadt Erlangen