Das Erlangen-Haus in Wladimir

Das Erlangen-Haus ist das Wahrzeichen der intensiven, schon 1983 initiierten Städtepartnerschaft zwischen Wladimir und Erlangen. 1992 kam von Igor Schamow, dem damaligen Oberbürgermeister von Wladimir, der Vorschlag, die Zusammenarbeit durch ein internationales Haus der Begegnung und Freundschaft weiter zu festigen. Dieses Angebot war die Geburtsstunde des Projektes "Erlangen-Haus". Die deutsche Seite plädierte dabei für ein historisches Gebäude, dass zu restaurieren sei, und so wurde aus mehreren Objekten das passende ausgesucht, ein ehemaliges Kaufmannshaus aus dem späten 19. Jahrhundert im Stadtzentrum von Wladimir.

Zwischen 1993 und 1995 wurde das Haus von russischen und deutschen Handwerkern aufwendig restauriert. Die Fachleute aus Erlangen erbrachten ihre Leistung entweder ehrenamtlich oder auf Kosten der entsendenden Organisationen. In den Jahren 1994 und 1995 gab es 5 mehrwöchige Handwerkereinsätze mit zwischen 3 und 10 Monteuren. Neben Materialien für Gas, Wasser, Heizung, Strom aus Sachspenden von Erlanger Firmen wurde auch die Möblierung des Hauses von Erlangen geleistet. Der Beitrag Wladimirs betraf die Entwurfs- und Planungsarbeiten, die Leistungen der Maurer, der Stuckateure und der Maler sowie der Spengler. Zimmermänner wurden benötigt für die umfangreiche Sanierung der Holzkonstruktion, Schreiner lieferten und montierten Treppen, Fenster und Türen. Unter dem Motto "außen russisch - innen deutsch" konnte so 1995 ein baufälliges historisches Haus zu neuem Leben erweckt werden.

Als historisches Hotel Garni ist das Erlangen-Haus durch die günstige Lage am Rande der Altstadt für Touristen und Geschäftsreisende gleichermaßen attraktiv. Ein kleiner, gepflegter Garten ergänzt das Ensemble. Zudem ist das Erlangen-Haus eine Partnerschule des Goethe-Institutes in Moskau und bietet ein ganzjähriges Programm an zertifizierten Deutschkursen. Mit aktiver Unterstützung bei der Gestaltung der Angebote durch die VHS Erlangen hat sich das Sprachlernzentrum im Erlangen-Haus schnell konsolidiert. Die Kursgebühren decken die Kosten, seit mehreren Jahren pendelt die Teilnehmerzahl um die 200 Schüler pro Jahr. 2011 erhielt die Schule die Akkreditierung des Goethe-Instituts in München als Sprachkurs-Kooperationspartner und Prüfungszentrum und kann damit auch selbstständig Sprachkurse bis zum Niveau C1 prüfen und zertifizieren.

Das Erlangen-Haus nimmt daneben die Funktion einer Drehscheibe der Partnerschaft wahr, wo Kontakte vermittelt werden und Ausstellungen stattfinden. Als Stiftung nach russischem Recht betreiben die beiden Partnerstädte diese Einrichtung. Der Vorstand der Stiftung kann vor dem Hintergrund der Entwicklung stolz auf die erfolgreiche Einrichtung sein und beruhigt in die politisch derzeit eher unsichere Zukunft blicken.