Städtekooperation Flensburg - Pensa

Der Kontakt zwischen Pensa und Flensburg entstand vor ca. 10 Jahren, als ein gerade pensionierter Chefarzt unseres Krankenhauses, Dr. Peter Lorenzen, beim Studium seiner Familiengeschichte feststellte, dass sein Großvater bis 1914 Gouverneur in Pensa war. Er reiste damals nach Pensa, wo er mit offenen Armen empfangen wurde, und baute die ersten Kontakte auf.

Die Stadt Flensburg hat nur zwei offizielle Partnerstädte (Carlisle in England und Stolp/Slupsk in Polen) und in den 90-iger Jahren den Beschluss gefasst, aus finanziellen Gründen keine weiteren Städtepartnerschaften einzugehen.
So wird die Städtefreundschaft mit Pensa von Institutionen - Uni und Hochschule, Krankenhäuser und Schulen, Firmen - Meesenburg Sicherheitstechnik und engagierten Privatleuten getragen.

Seit Frau Swetlana Krätzschmar, die selbst in der damaligen Sowjetunion aufgewachsen ist,  2013 zur Stadtpräsidentin von Flensburg gewählt wurde, setzt sie sich mit besonderem Engagement für den Ausbau der Kontakte zu Pensa ein.
2015 in Pensa besuchte sie Pensa das erste Mal in Rahmen einer 12 Personen umfassenden deutschen Delegation  – und war überaus positiv überrascht, wie sehr man in Pensa an Deutschland interessiert war.  

Unter der der Schirmherrschaft der Stadtpräsidentin fanden vier Pensa-Flensburg-Kongresse statt.

Auf dem 4. Pensa-Flensburg Kongress im September 2016  in Flensburg  wurde eine Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen den Universitäten der beiden Städte beschlossen, die auch auf die Hochschule Flensburg- University of Applied Sciences  ausgedehnt werden soll. Zwischen den beiden Krankenhäusern DIAKO und St. Franziskus und der Medizinischen Hochschule in Pensa wurde ein Vertrag unterzeichnet, der u.a. vorsieht, dass noch mehr medizinisches Personal den jeweiligen Partner zwecks Hospitation besuchten kann.

Als Zeichen der Städtefreundschaft wurde gemeinsam mit dänischen Freunden auf dem Hochschulcampus einen Gravensteiner Apfelbaum gepflanzt. Gravenstein, heute Grasten, liegt nur wenige Kilometer entfern auf der dänischen Seite der Grenze.
Im Übrigen stand der Gravensteiner Apfel Pate, als Steve Jobs ein Logo für seine Firma Apple suchte.  Er hat sich damals als Student auf einer Apfelplantage in Kalifornien etwas dazuverdient. Es war eine Plantage mit Gravensteiner Apfelbäumen, die russische Auswanderer aus Sewastopol Ende des 19. Jahrhunderts mit nach Amerika gebracht hatten.

Im September 2017 hat der 5. Pensa-Flensburg Kongress wieder in Pensa stattgefunden.

Vom 13. bis 16. September 2017 besuchte eine 18‐köpfige Delegation aus Flensburg unter Leitung der Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar die russische Stadt Pensa und nahm am 5. Pensa‐Flensburg Kongress teil. Zur Flensburger Delegation gehörten Professoren, Mitarbeiter und Studenten beider Flensburger Hochschulen, Chefärzte und Ärzte der DIAKO und des St. Franziskus Krankenhauses, die ehemalige Vizepräsidentin des Landtages von Schleswig‐Holstein Dr. Gabriele Kötschau und der Begründer der Städtefreundschaft Dr. Peter Lorenzen. Auf dem Kongress wurden verschiedene Themen aus den Bereichen Bildung, Gesundheit und Wirtschaft behandelt. Es ging darum, bestehende Kooperationen zu evaluieren und gegebenenfalls zu vertiefen, sowie neue Kooperationen insbesondere zwischen der Staatlichen Universität Flensburg und der Hochschule Flensburg zu entwickeln.

Prof. Dr. Bosco Lehr, Vizepräsident für Internationales der Hochschule Flensburg, sprach mit dem Rektor der Universität Pensa über den Austausch von Studenten und Dozenten sowie die Entwicklung gemeinsamer Studiengänge. Prof. Dr. Jens Born, Prof. Dr. Antje Labes und Martina Carstensen von der Hochschule Flensburg besuchten zahlreiche innovative Firmen. Das Angebot, Studenten der Hochschule Flensburg ihre Masterarbeiten vor Ort in Pensa schreiben zu lassen, wurde von russischer Seite begrüßt und entsprechende Unterstützung zugesagt.

Prof. Dr. Machraoui, seit zwei Jahren Ehrenprofessor in Pensa, Prof. Dr. Henning Stolze, Dr. Frank Helmig, Dr. Christian Hansen, Dr. Anass ElMakhlouf und Lucy Meyer hielten Fachvorträge vor russischen Medizinstudenten und besprachen mit ihren russischen Kollegen weitere Projekte. Erstmals konnten auch vier angehende Ärzte aus Pensa über ihr vierwöchiges Praktikum im Juli 2017 an der DIAKO und in St. Franziskus‐Hospital berichten. In seinem Vortrag in deutscher Sprache über die Sichtweise deutscher Philologen in Bezug auf Werke der russischen klassischen Literatur begeisterte Dr. Rinke von der Europa‐Universität Flensburg sein zahlreiches russisches Publikum. In den letzten Jahren absolvierten 35 Studenten aus Pensa und 15 Studenten aus Flensburg ein Semester im jeweils anderen Land.

Beim Besuch der 44. Oberschule in Pensa, die für ihren Unterricht in deutscher Sprache mehrfach ausgezeichnet wurde, konnte sich Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar und ihre Begleitung vom hohen Niveau der dort geleisteten pädagogischen Arbeit überzeugen. Um den unterbrochenen Austausch mit dem Alten Gymnasium wiederzubeleben, würden Schüler dieser Schule im Mai 2018 gern nach Flensburg kommen.

In Würdigung der in den letzten 10 Jahren erreichten Zusammenarbeit zwischen Pensa und Flensburg gab die deutsche Botschaft am 13. September 2017 einen festlichen Empfang für die deutschen und russischen Konferenzteilnehmer. Die Botschaftsrätin Ellen von Zitzewitz betonte in ihrer Ansprache, dass der 5. Pensa‐Flensburg Kongress ein ausgezeichnetes Beispiel für die Kooperation zwischen Deutschland und Russland im Bereich der Zivilgesellschaft ist, und hielt eine öffentliche Vorlesung über Umwelt, Klimaschutz und Energiepolitik in Deutschland. Frau von Zitzewitz ermunterte die Administration der Stadt und des Gebiets Pensa, sich um ein von deutscher Seite ausgeschriebenes Pilotprojekt einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Region in Russland zu bewerben. Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar informierte die Regierung des Gebiets Pensa über den Klimapakt Flensburg und eine mögliche Zusammenarbeit im Bereich des Umweltschutzes. „Im Laufe von 10 Jahren hat sich unsere Freundschaft zu einer Partnerschaft entwickelt, die von interessierten Bürgern beider Städte getragen wird. Mit unserem freundschaftlichen Dialog übernehmen wir gesellschaftliche Verantwortung und leisten einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung und Friedenssicherung“, hob Swetlana Krätzschmar in ihrem Resümee am Ende des Kongresses hervor.

Der 6. Pensa‐Flensburg Kongress soll turnusgemäß im September 2018 wieder in Flensburg
stattfinden.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtpräsidentin Flensburg¸ 20. September 2017